5. (3. ausserordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjahres.
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Vorträge im Freien nicht stattfimlen konnten, so mussten sie im Saale gelialten werden, wodurch leider ein grosser Teil ihres Reizes verloren ging. Zunächst trug unser Ehrenmitglied Herr Ferdinand Meyer ein Sonett auf die Humboldteiche vor, das von unserem Mitgliede Herrn Dr. C. Bolle gedichtet worden war. Drei weitere Sonette liess darauf der Dichter selber folgen. Wir schalten dieselben gleich hier ein.
Die Humboldteiche von Tegel.
(1878.)
I.
Gewalt’ge Eiche, mit des Liedes Tönen
Hat dich umkränzt der Freund dir und Gebieter
Zugleich war, dieses Paradieses Hüter,
Ein Dichter, herrschend in dem Reich des Schönen.
Du hattest Zeit, an Ruhm dich zu gewöhnen,
Denn ungern deines Wipfels Kühlung mied er,
Der illt’re jener Dioskuren-Brüder,
Die cw’ger Lorbeer will unsterblich krönen.
Du bliebst, ein Zeuge von entschwund’nen Tagen,
Als still und gross, mit ausgespannten Ästen,
Du Schatten liehest uns’res Landes Besten.
Wenn mich an dir vorbei die Schritte tragen
Will stets an grosser Männer sel’ge Manen
Mich andachtsvoll, o Baum, dein Rauschen mahnen.
II.
Nicht mehr wie sonst umgiebt dich das Gehöfte,
Zum Schönen wandelt sich, was gut und nütze;
Jetzt schiesst die Blume um dich her in Säfte,
Und Gartenbänke laden rings zum Sitze.
Von Vielen aber nach des Tags Geschäfte,
Die dir gedankt, dass sie dein Laubdach schütze,
Sah ich nicht Einen, der sein Auge hefte Auf dich, durchschauert von poet’scheni Blitze.
Unfern von dir, an gleichen Seces Spiegel Auf kleiner Insel, von bescheid’nem Munde Löst manches Mal die Muse nun das Siegel,
Ein Echo weckend längs den schilf’gen Borden,
Sei weit umher an dieser Wasser Runde Unmusisch auch und kalt die Welt geworden.