Heft 
(1900) 9
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Friedrich Werwach:

Unter den Studenten früherer Zeit war es vielfach Brauch, seinen deutschen Namen in das Lateinische oder Griechische zu übersetzen, oder diesen Sprachen anzupassen bezw. seinem Namen eine lateinische End­silbe anzuhängen. Wie aus der Zusammenstellung zu entnehmen ist, sind auch die Kreminener Studenten diesem Brauche mehrfach gefolgt. Bei ihren Personennamen bemerken wir auch die in früherer Zeit so oft zu Tage getretene Zerfahrenheit in der Schreibweise. Wir führen hier die Studenten Friseke und Phrysicke; Greuvel, Greuwel und Grüwel; Rog und Rugge; Schmelter und Smelter; Stellhofe und Stolhoff; Breda, Bredow und Bredaw an, welche ohne Zweifel zum Teil identisch sind, bezw. zum Teil einer Familie angehören.

In die Studenten - Matrikel wurden früher vielfach Personen ein­getragen, die noch nicht das für die Leistung des akademischen Eides erforderliche Alter hatten. Auch einzelne Kremmener Studenten finden wir in diesem jugendlichen Alter. Andererseits bemerken wir unter den zusammengestellten Studenten bereits einen Graduierten, den Magister Johannes Reimanu, und selbst solche, die schon ein öffentliches Amt bekleideten, wie z. B. Ileinrikus Müller oder Möller und Jacobus Papa oder Pape. Ersterer war im Jahre seiner Immatrikulation, 1(515, bereits Kantor und Stadtschreiber in Kremmen, und letzterer ist 1(503, in dem Jahre, in dem er eine Universität bezogen hat, zum evangelischen Prediger daselbst vociert worden.

Den neu aufgenommenen Studenten lag die Verpflichtung ob, eine Gebühr zu entrichten, die im grossen und ganzen für die einzelnen deutschen Universitäten feststand. Trotzdem wurde aber diese Gebühr je nach dem Vermögen der Studenten erhöht oder erniedrigt, auch unter Umständen ganz erlassen. Aus der Höhe dieser Einschreibgebühr lassen sich Rückschlüsse auf die Vermögens Verhältnisse der Einzelnen ziehen. Wenn wir es unterlassen haben, in der nachfolgenden Zusammenstellung die Höhe dieser Gebühr anzugeben, so sind wir hierbei von dem Um­stande geleitet worden, dass die Kremmener Studenten fast durchweg eine ziemlich gleichmässige Gebühr entrichtet haben, so dass man einen bemerkbaren Unterschied in den bescheidenen Vermögens-Verhältnissen kaum voraussetzen kann. Die wenigen Beamten erhielten nur das Not­wendigste und auch die fast ausschliesslich Ackerbau treibenden Bürger gelangten zu keinem nennenswerten Wohlstände. Ausgeschlossen hiervon bleiben allerdings die Angehörigen der Familien von Bredow, von der Lütke und Weiler, da bei ihnen als Besitzer der Güter in Kremmen eine bessere Vermögenslage anzunehmen ist.

Die Fakultät der Studierenden ist nur selten aus den Matrikeln zu entnehmen. Zum grösseren Teile werden die Kremmener Studenten dem Studium der Theologie obgelegen haben, wie wir in der Zusammen­stellung mehrfach anzugeben Gelegenheit fanden. Bei einigen ist aus