Niedergörsdörf bei Jüterbog, eine Dorf Chronik.
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welches auch in Wurst und Braten draufgeht. Sechsmal wird am Tage gespeist, Branntwein wird kaum oder sehr massig genossen, Bier und kalter Kaffee stillen den Durst. Liegt das Erntefeld weit, so werden dio Leute mit Gespann zu demselben gebracht. —
Brot ist die Ilauptkost der Leute, und eine Hüfnerei verbraucht jährlich ca. 90 Scheffel Roggen zu Brotkorn. Kartoffeln werden zum Fleisch selten genossen, nur in letzter Zeit kommen bei Ausrichtungen auch Salzkartoffeln auf den Tisch. In guten Wirtschaften findet noch ein Tischgebet statt, und der Iliifner speist mit dem Gesinde an demselben Tisch, bei dem alles wohl geordnet zugeht. Die Mädchen greifen zuletzt zu, speisen öftere auch erst später. Ilauptspeisen sind: zerriebene Erbsen mit Butter übergossen, welche auch oft am Sonntag gegessen werden; grosse Klösse aus Kartoffeln, zu welchen Fleisch genossen wird. Das Gemüse wird meist in flüssigem Zustande gereicht und mit dem Löffel gegessen. Grüne Bohnen, Schmorkohl (Krautsalat) sind zumeist bekannt. Salat und Gurke werden mit gebratenem Speck und mit Überguss von Milch angerichtet. Eine Hauptspeise ist Leinöl mit Pellkartoffeln (Knnllen). In vielen Wirtschaften werden die Knüllen auf den blanken Tisch geschüttet und jeder taucht seinen Teil in einen gemeinsamen Napf mit Öl. —
Festlichkeiten.
Auf den Festlichkeiten geht es recht gemessen her. Zu den Kindtaufen sind gesetzlich nur drei Paten, unter denen wenigstens eine männliche Person sein muss, zulässig; diese Zahl wird aber bei Erstlingsgeburten wohlhabender Leute und auch sonst bis auf 7—8 erweitert. Alle Kinder empfangen in der Kirche die Taufe und werden häufig von der Pfarrfrau dahin getragen. Die .lunggesellen- und Jungfern-Paten schmücken sich bei dieser Gelegenheit mit Sträussen. Die Junggesellen tragen Sträusse auf der Brust, welche die Jungfern besorgen, die Jungfern tragen Kränze von gemachten Blumen im Haar. Beim Kindtanfsmalüe nehmen die Paten die Ehrenstellen am Tische ein, bringen auch, wenn sie zum ersten Mal den Patenstand ven-ichten, eine Gabe an Wein und geröstetem Zwieback für die Gäste dar, welche im günstigen Falle wohl an 50 Stück dieser Zwiebacke mit nach Hanse nehmen, ln früheren Zeiten erhielten die Gäste auch Stücken von Braten und anderem Fleisch nebst zwei grossen Stücken von Kuchen, um sie für die Ihrigen mitzunehmen, jetzt nur noch den Kuchen, welcher zum Schluss der Mahlzeit vor ihnen aufgebaut wird. Der Patenstand kommt nicht billig zu stehen; denn ausser dem nicht geringen Geldgeschenke bei der Taufe, welches in einer schönen Umhüllung dem Kinde unter das Kopfkissen gelegt wird, haben die Paten auch die Verpflichtung, den Kindern alle Jahre zweimal, zu Weihnacht und zu Ostern, bis gegen die Einsegnung hin
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