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6. (3. ordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjahros.
Aus den geschichtlichen „Vorbemerkungen“ erhellt u. A. folgendes: Die Stiftungsurkunde der Kur-Brandenburgischen Societät der Wissenschaften wurde von Kurfürst Friedrich III. am 11. Juli 1700 vollzogen. Thatsäehlich aber beginnt die beurkundete zusammenhängende Geschichte der Akademie bereits mit dem 19. März 1700, an welchem Tage dem Hofprediger Jabionski die Entsehliessung des Kurfürsten angezeigt wurde, gemäss dem ihm von Jabionski in Einverständnis mit Leibniz unterbreiteten Plan „ein Observatorium und eine Acadümie des Sciences in Berlin zu etablieren.“ Der Erlass des zur finanziellen Fundierung der neuen Stiftung ausgestellten Kalenderprivilegs vom 10. Mai und die unter dem 19. Juni vollzogene Ernennung von Leibniz zum Präsidenten der Akademie bilden weitere beurkundete massgebende und der zufällig verzögerten und daun auf den Geburtstag des Kurfürsten verschobenen Vollziehung des förmlichen Stiftungsbriefs und der Statuten („General- Instruction“) der Societät voraufgehende Daten.
Da der Juli in vieler Beziehung recht unbequem war, so entschloss sich unser Kaiser und König das Datum des 19. Märzes zu bevorzugen.
XI. In der Kunstwerkstatt und Berliner Gobelin-Manufaktur unsores Mitgliedes Herrn W. Ziesch, Bethanien-Ufer 8, an welche namentlich unsere Damen noch mit Entzücken zurückdenken und die wir am 9. September 1899 (Monatsblatt VIII 264, 265) unter kundiger Führung des Chefs, sowie unseres Mitgliedes des Herrn Historienmalers Konrad Astfalck besuchen durften, befanden sich auch Teppiche aus der Rotunde des Alten Museums, zu den berühmten Raffaelschen Tapeten gehörig, in der Ausbesserung und Auffrischung. Diese berühmten Erzeugnisse der Textilkunst nach den von Raffael 1516 und 17 gezeichneten, im South-lvensington Museum zu London verwahrten Carton sind in Brüssel aus Wollen-, Seiden- und Goldfäden gewirkt, Wiederholungen der zur Bekleidung der unteren Wände der Sixtinischen Kapelle im Vatikan bestimmten Tapeten. Sie wurden für Heinrich VIII. von England verfertigt, kamen in den Besitz des unglücklichen Karls I., später der Herzöge von Alba, wurden 1844 von Friedrich Wilhelm IV., neun an der Zahl, für einen nach heutigen Vorstellungen billigen Preis erworben und sind jetzt restauriert.
XII. Seitens der Deutschen Glasinosaik-Gesellschaft Puhl & Wagner zu Rixdorf, deren Werkstätten und Ausstellungsräume Berlinerstr. 7/8 wir am 10. August 1898 mit vielem Genuss zu unserer Belehrung unter Führung unseres Mitgliedes des Mitdirektors der Gesellschaft Herrn Wagner, besucht haben (Monatsblatt VII S. 211—215 und S. 387—403), sind „Ergänzungsblätter“ zu den früher erschienenen Heften herausgegeben, welche von dem Fortschritt dieser künstlerischen Werk- thätigkeit und ihrer allmählichen Anerkennung im In- und Auslande beredtes Zeugnis ablegen. Wir sind weniger überrascht als erfreut