6. (3. ordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjahres.
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XMI. Die Ausschmückung des Pariser Platzes zum Empfange unsers Erlauchten Alliierten des Kaisers von Oesterreich, Königs von Ungarn, Franz Josef, am Sonnabend den 5. Mai d. J. ist in einem Album, gr. Fol., 8 Blätter in Lichtdruck verewigt worden, welches ich ebenfalls vorlege. Der Titel lautet: „Festschmuck der Stadt Berlin auf dem Pariser Platz im Mai 1900“. Aus der Tafel I wollen Sie ersehen, mit welcher Sorgfalt und künstlerischer Ueberlegung der ausführende Künstler, unser Mitglied, Herr Königliche und Stadtbaurat Ludwig Hoffmann verfahren ist. Er hat sich nicht um die übliche Ausstattung mit Masten und Fahnen und Bogen, sondern um die Erzielung einer einheitlichen und allgemeinen künstlerischen Platzausstattung, wie sie Berlin in dieser Art noch nicht gesehen, gehandelt und diese ist im vollsten Masse gelungen.
XM1I. Ein neues erfreuliches Werk unsers Mitgliedes Herrn Robert Mielke wird Ihnen hiermit vorgelegt: „Der Einzelne und seine
Kunst. Beiträge zu einer Oekonomie der Kunst“. (147 S. 8°.) Leipzig und Berlin 1900 bei Georg Heinrich Meyer, Heimatverlag.
Der Yerf. hat uns vor vier Jahren mit einem Buch „Volkskunst“ bedacht, welches die Bedeutung der Volkskunst, gleich der Volkspoesie — vom Verf. nicht ohne Berechtigung „Die Kunst der Namenlosen“ genannt — entwickelte. Auch hier bei der Kunst des Einzelnen, handelt es sich um Namenlose, eigentlich um jedes Individuum. Im Kapitel „Werden und Wesen der Kunst“ wird der verflachende Einfluss der Kunst-Industrie geschildert und die Menge der jetzt herrschenden Kunststile, die zumeist sich entweder in einer mehr oder minder geschickten Nachahmung bewegen oder in einer gewissen bizarren Effekthascherei, im Suchen nach Ungewöhnlichem, noch nie Dagewesenen selbstgefällig das künstlerische Ideal suchen. Damit wird zur Wende des Jahrhunderts leider nur eine „decadence“ der Kunst bekundet, gegen welche der Einzelne mit seinem natürlichen Kunstempfinden sich auflehnen soll im Anschluss an die Entwickelung der heimatlichen Kunst.
Damit ist der springende Punkt für die Heimatkunde und die Beziehung des neuen Mielkeschen Buches zu unseren Bestrebungen gegeben.
Tin zweiten Abschnitt, Kunstpolitik betitelt, macht der Verfasser neue praktische Vorschläge zur Anbahnung gesunderer ästhetischer Anschauungen in 8 Kapiteln: Umfang und Wesen einer Kunstpolitik; der Einzelne und seine Kunst; der Staat und die Kunst; die Organisation der Kunstpolitik; endlich in einem Anhänge Vorschläge zu besonderen örtlichen Vereinigungen behufs Schaffung und Förderung eines Kunst- sefiihls bei dem Einzelnen wie bei der Gesamtheit. Hier werden em- pfohlen Anregung und Förderung der Hauskunst bei Lehrenden und Lernenden. — Unterstützung alter ortsüblicher Haus- und gewerblicher