8. (8. ordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjahres.
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Betriebe — Veranstaltung von Vorträgen und Ausstellungen. — Erhaltung alter Bau- und Geschichtsdenkmäler. — Katerteilung an Gemeinden und Einzelne. — Sammlung von volkskundlichen Gegenständen. — Wachsamkeit über alle Bestrebungen, die das Bild der Landschaft in gutem und bösem Sinne zu verunstalten geeignet sind, Hütung alter Baumbestände und Anpflanzungen an passenden unbenutzten Stellen*). — Pflege alter poetischer Sitten und Gebräuche (Sagen, Spiele, Umzüge, Tänze, Feste und dergl.). — Unterstützung einer guten Litteratur (Liederbücher, Zeitschriften, Kalender, selbst Schaffung solcher. — Veranstaltung von öffentlichen Aufführungen (Gesang, Schauspiel, Turnen etc.).
Man sieht, dass es dem Verf. vollster Ernst mit seinen dankenswerten Bemühungen und Vorschlägen ist. Wenn auch einzelnes vielleicht zum Widerspruch reizen mag, so ist das Buch doch allein schon wegen seiner Tendenz höchst löblich. Es ist nicht leicht zu lesen, aber es entschädigt reichlich für die aufgewendete Zeit und ich glaube, es giebt keine Gebildeten, der nicht über die geltend gemachten Gesichtspunkte nachzudenken Veranlassung hätte.
XIX. Professor Dr. Friedrich Wagner: „Aus der Jugendzeit der Kurfürsten Johann und Joachim I. von Brandenburg. (Osterprogramm des Kgl. Friedrich Wilhelms-Gymnasiums und der Königlichen Vorschule zu Berlin. Programm No. 55.) Das Heft giebt auf 09 S. 4° so viel kritisch gesichtetes Neues und Interessantes in gedrängter und anregender Darstellung, dass sich in einer Besprechung kaum darüber das Nötige sagen lässt, ohne unwillkürlich in einen Auszug zu verfallen. — Ueber den kurfürstlichen Vater Albrecht (1470—1480) erfahren wir vieles, was nötig ist, um die Jugendbildung Johanns zu beleuchten. In Uebereinstimmung mit Ranke, Preuss. Gesell. I 135, bemängelt Verf. von vornherein den Beinamen des Vaters „Achilles“. „Dieser Beiname bezeichnet so wenig sein Wesen, dass man denselben wohl fallen lassen sollte. Der deutsche Achilles war seinem deutschen Agamemnon nur allzu getreu.“ Für ihn hätte mehr der Beiname Oeconomus, der Haushälterische, der Sparsame, der Vorsorgliche gepasst. Was Johann anlangt, so glaubt Verf. nicht an die Beredsamkeit und die lateinischen Kenntnisse des Kurfürsten und vermeidet deshalb absichtlich den Beinamen Cicero, den er für einen ganz irrigen hält; aus einer unrichtigen, kritisch nicht haltbaren Erzählung Melanchthons ist dies Epitheton ornans erst spät entstanden und durchaus zu verwerfen. (S. 3).
Nach der Darstellung des Verf. ist Johann einfach und schlicht erzogen und dürfte trotz der Vorschriften der goldenen Bulle Karls IV.,
*) Deckt sich in der Hauptsache mit meinen und des Herrn Dir. Dr. Conwentzs Vorschlägen. Vergl. meinem Bericht auf S. 10—15 und S. 79 dieses Jahrganges der Brandenburgs.