Heft 
(1900) 9
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6. (3. ordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjahres.

verstärkt erscheint, hat einen lichten Durchmesser von 1,8 bis 2,1 cm und einen Aussendurchmesser von 2,7 bis 3 cm. Nahe über dem King sind 2 unregelmässige, eiförmige, einander entsprechende Nietlöcher aus­gespart zum Befestigen eines in die Höhlung passenden Schafts. Das Feld, innerhalb dessen diese Löcher liegen, ist durch zwei feingravierte, gleichsinnige Doppellinien verziert.

Das recht seltene Gerät gehört, wie auch Herr Kustos Rudolf Buchholz meint, im weitern Sinne zu den sogenannten Schwortpfählen, Prozessionsäxten, Kommandostäben und ähnlichen symbolischen Prunk­geräten, die kaum für den Ernstfall berechnet erscheinen*).

Klemm: Handbuch der germanischen Altertumskunde, Dresden 1836, Figur 2 a, Tafel XV zu § 60 (S. 208) bildet ein ähnliches zur Vergleichung heranzuziehendes Bronze-Gerät ab, welches mit einem Bronze-Schwert und einem richtigen typischen Schwertpfahl (Fig. I a. a. 0.) zusammen bei Welsleben im Munnsfeldschen vom Pastor Lehmann (Notiz in denCuriositäten pp. VII 182) entdeckt wurde. Allerdings sitzt hier an dem Ilorn noch senkrecht ein bronzenes durchbohrtes Schaftstück, in welches der hölzerne Schaft gesteckt wurde. Interessant ist es zu sehen, dass das Horn mit der hohlen Krümmung nach oben befestigt ist. Klemm hält es sehr richtig nicht für ein Waffenstück und fährt fort: Dieser Umstand und dann die Kostbarkeit des Metalls im germanisch- römischen Zeitalter lässt also vermuten, dass sie zu anderweiten und wichtigen Zwecken bestimmt waren und rechtfertigt die Vermutung, dass sie als Zeichen königlicher Würde dienten. Beide Stücke**) befinden sich in der gräflich Erbachschen Sammlung. Ohne Zweifel sind es dieselben zwei Schwertstäbe, welche Lindenschmit: Die Altertümer unserer heid­nischen Vorzeit. III. Bd. 1881, Heft VI, Tafel Fig. 4 und 5 abbildet. Es heisst hier bei Fig. 5:Gefunden mit No. 4 in einem Grabhügel des Osterberges zu Welbsleben mit 1000 (?) Urnen, Steinäxten, metallenen Werkzeugen, einem Hammer und 12 länglich runden Scheiben. Sammlung Sr. Erl. des Grafen Erbach-Erbach.

Bei der Seltenheit gleicher oder nahverwandter Funde bitte ich dringend mich auf solche aufmerksam zu machen.

XXII. Herr Kustos Rudolf Buchholz legt 2 Renaissance- Sporen vor, die an den Abhängen der alten Burgstelle von Alt-Daber bei Wittstock vom Stadtförster Hutli gefunden und durch unser Mitglied, Herrn Reuter, dem Mark. Museum übermittelt sind.

*) Vgl. u. a. W. R. Wilde: Catalogue of the Antiquities of animal materiale and bronze in the Museum of the Royal Irish Academy. Dublin 1861, S. 490, Fig. 368, S. 491 sowie Fig. 359 und 360, S. 492.

**) D. h. die beiden Scbwertpfähle; von dem Schwert ist nicht weiter die Rede. E. Fr.