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10. (4. ordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjahres.
dürfte sich der hübsch ausgestattete kleine Band auch für weitere Kreise als ein nutzbarer Ratgeber erweisen und demgemäss den guten Zweck erfüllen, der Kenntnis vaterländischen Grüns neue Jünger zu werben. Den modernen Wandlungen der Wissenschaft ist darin ausgiebig Rechnung getragen. Ausserdem erfreut den Leser die beruhigende Schlussfolgerung, dass vielfach hemmender kultureller Entwicklung zum Trotz die wilde Flora des alten Bodens, wenn auch zurückgedrängt, immer noch kräftig fortlebt und fortfahren wird, ihren gewohnten Zauber auch ferner auszuüben. Es darf als besonderes Verdienst des Verfassers, der zumal auf dem Gebiet der Riedgräser (Carex) Hervorragendes geleistet hat, gelten, abstrakteren Tendenzen gegenüber einen Stamm greifbarer Pflanzenkenntnis in Wald und Flur lebendig zu erhalten.
C. Herr Kustos Buchholz über mainrische Volkstrachten.
Wie schon der Herr Vorsitzende andeutete (vgl. S. 320 No. 12), hat das Märkische Museum durch Vermittelung des Herrn Pfarrer Zimmermann in Nieder-Görsdorf Proben der im Fläming noch jetzt gebräuchlichen Frauentrachten erhalten, die hier in natura und Abbildungen vorliegen.
Vor 4 Jahren, gelegentlich der Vorlage von Frauentrachten aus dem Kreise Weststernberg, hatte ich darauf hingewiesen, dass der Gebrauch malerischer Volkstrachten innerhalb der Provinz Brandenburg, abgesehen von der Wendei, immer mehr im Verschwinden ist und, nachdem nun auch im Oderbruchdorfe Neu-IIardenberg selbst ältere Frauen die moderne Tracht vorziehen, die Dörfer des Oderdeichverbandes im Sternberger Kreise, Ziebingen, Rampitz, Grimnitz u. s. w., die letzten sein dürften, in denen sich die alten malerischen Trachten erhalten haben. Im Hohen Fläming, an der südwestlichen Grenze der Provinz Brandenburg haben sich solche Trachten auch noch erhalten, aber ich konnte sie damals nicht mitanführen, weil dieses Gebiet im wesentlichen der Provinz Sachsen angehört und die Märkischen Grenzen nur streift und weil Probetrachten noch nicht Vorlagen.
Nun sind wir in die Lage gesetzt, auch dieses Trachtengebiet nachzuholen. Der gewöhnliche Festanzug wird hier, von einer Berliner Frau getragen, vorgeführt. (S. 1. Abhldg. flg. Seite, wo jedoch Ortsangehörige Frauen dargestellt sind.) Er besteht aus einem weit gefalteten, die Fiisse frei lassenden roten Rock mit schwarzem Sammet-Mieder, gesticktem Puffkädel (Oberhemd mit kurzen Ärmeln) und darüber um den Oberkörper geschlagenem kleinen bunten Tuch; eine weite bunte Schürze lässt vom Rock nur hinten einen Streifen sichtbar. Der Kopf ist mit einer gestickten Kappe bedeckt, die mit einem zusammengelegten Tuch cylindrisch, aber nur niedrig berandet wird. Die beiden Enden des Kopftuches gehen in grosse abgesteifte Flächen über, die llügelartig zu beiden Seiten des Hinterkopfes abstehen und, wie ein grosses Herz, den Hintergrund für das Gesichtsbild abgeben.