13. (5. ordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjahres.
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Schickung der Pariser Weltausstellung mehr auf den Geschmack des Publikums als auf ihre eigene Wünsche Rücksicht nahm, welche dahin zielten und zielen, Tapisserien im Sinne und Stile des XVI. Jahrhunderts zu verfertigen. Bei den beiden „Panneaux decoratifs“ nach Kartons des langjährigen artistischen und technischen Leiters des Instituts, Historienmalers Konrad Astfalk, bestand nur die Absicht, zwei lustige und wirkungsvolle Saaldekorationen zu schaffen, wozu sich der Stil der genrehaften Tapisserien des XVIII. Jahrhunderts allerdings vorzüglich eignete.
Vielleicht kommt einmal eine Zeit und zu ihrer Herbeiführung hönnte die moderne Kunst-Litteratur viel beitragen, in der auch beim kaufenden Publikum ein beseres Verständnis für das Wesen und für die Aufgaben der ßildwirkerkunt erwacht und jene Betsrebungen, die wir eingangs erwähnten, Anerkennung und Würdigung finden werden.
Haben wir bisher nur immer den Geist der Bildwirkerkunst im Auge gehabt, ihre Aufgaben ästhetisch und geschichtlich beleuchtet und danach geforscht, weshalb sie monumental sein muss, so kommen wir nun auf das Kunsttechnische der Ausführung von Gobelingeweben überhaupt und die von der Berliner Gobelin-Manufaktur ausgestellten Objekte insbesondere, und da wollen wir schon an dieser Stelle betonen, wie es nicht dem mindesten Zweifel uuterliegt, dass wir es hier mit Tapisserien von hervorragender Qualität und meisterlicher Technik zu thun haben.
In ihnen kommen lediglich die beiden so strenge geforderten Arten der Flächen- und Formengebung sowie der plastischen Modellierung der Gobelin-Webtechnik und zwar in kleinen Formen, die mosaikartige, in grösseren und grossen die Hachüren-Form, wie es die senkrechte Kette und der wagerechte Einschlag bedingen, zum Ausdruck.
.lede Form und jeder Gegenstand ist hier organisch, malerische Zufälligkeiten und unorganische Farbenflecken wie sie zur Zeit des Verfalles, besonders bei Francois Boucher sich finden, aber technisch und ästhetisch bei Gobelins unstatthaft sind, sind hier nicht zu entdecken. Die mit den künstlerischen Rücksichten übereinstimmende wunderbare Technik, die Wirkung der durchsichtigen Flügel, welche lediglich durch Ilachüren hervorgebracht wurde, die exquisite Behandlung von Fleisch und Luft sind Vollkommenheiten, welche nicht nur einem feinen künstlerischen Empfinden entspringen, sondern auch eine grosse manuelle Fertigkeit, eine gründliche Schulung und eine Unsumme von Aufmerksamkeit erforderten.
Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass au diesen Tapisserien Mädchen — nur solche beschäftigt das Institut überhaupt — gearbeitet haben, welche zum Teil erst 4 und 6 Jahre in der Manufaktur thätig sind, während bekannt ist, dass die Manufakturen von Paris und Beauvais