Heft 
(1900) 9
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13. (5. ordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjahres.

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meiner Leitung die Pflegschaft des Märkischen-Museums u. A. einen Ausflug auch nach dem gedachten friedlichen Dörflein. Die mittelalter­liche Kirche daselbst ist in gotischen Formen gehalten, umschliesst aber wahrscheinlich einen romanischen Kern.

In der Turmhalle befindet sich gewissermassen zur Bestärkung dieser Annahme ein uralter romanischer Taufstein ausser Ge­brauch verwahrt und zwar in zwei Teilen, das eigentliche Taufbecken für sich und der vierkantige Fuss desgleichen für sich.

Die beifolgenden zwei Abbildungen, von der kunstfertigen Hand unsers Mitgliedes Wilhelm Pütz entworfen, veranschaulichen das interessante altchristliche Kultusgerät. Höhe des Beckenstückes 56 cm, des Fusses 30 ein, Gesamthöbe also 86 cm. Grösste Tiefe des Beckens 36 cm, oberster Durchmesser desselben 65 cm. Der Rand ist achteckig gekantet, grösster Durchmesser 88 cm. Ober- und Unterstück waren durch einen Dübel verbunden.

7. Über seltene mittelalterliche Gefässe aus Kupfer oder bronzeartigem Metall, flache Becken mit eingravierten, stets latei­nischen Buchstaben und figürlichen Darstellungen, auf welche kürzlich unser Ehrenmitglied Professor Di\ Jentsch in Guben, sowie Herr Geh. Sanitätsrat Dr. Grempler in Breslau aufmerksam gemacht hat, habe ich in der Brandenburgs unter Vorlegung ber bezüglichen Schriften am 9. Mai d. J. S. 99101 gesprochen. Aus der Provinz Brandenburg ist nur das eine in der Gubener Gymnasial-Sammlung vorhandene Gefäss bis jetzt, bekannt. Greinpler kennt im ganzen einige 80 Exemplare.

Ich bin nun so glücklich gewesen, ein bis dahin den Forscheraugen entgangenes neues derartiges Gefäss in dem trefflichen Städtischen Altertümer Museum zu Frankfurt am Main, welches der vor­züglichen Leitung der Herren 0. Cornill und Dr. F. Quilling unter­stellt ist, als ich von der Saalburg-Grundsteinlegung zurückkehrte, bei einem Besuch am 14. Oktober d. J. aufzufinden.

Das angeblich kupferne Becken hat etwa 10 cm Höhe und etwa 35 cm obern Durchmesser, es ist leider innen recht defekt, lässt aber noch erkennen, dass darin die Myrrha-Sage dargestellt wird. (S. 44 des Führers durch das Städtische Historische Museum zu Frankfurt am Main von Dr. F. Quilling). Nach der orientalisch­griechischen Myrrha-Sage war über Kinyras, den König von Cypern, von der Göttin der Liebe (Aphrodite), die er beleidigt hatte, die Strafe ver­hängt worden, dass er unbewusst mit seiner eigenen Tochter Umgang pflog. Als er die Blutschande später entdeckte, wollte er seine Tochter und sich tödten und verfolgte sie mit gezücktem Schwerte; sie wurde von Aphrodite in einen Myrrhenbaum verwandelt, aus dessen berstender Rinde nach zehn Monaten der schöne Adonis entsprang. Die Direktion