Heft 
(1900) 9
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14. (ß. ordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjahres.

im Osten am ersten zur Sesshaftigkeit gelangten, wie hei den am weitesten vorgeschobenen, gefunden haben.

Die Einförmigkeit in der slavischen Siedelung und Kultur ist während der vorgeschichtlichen Zeit in Deutschland ganz auffällig. Bei uns in der Ebene sind die Siedelungen versteckt in Mooren und anderen heimlichen, unzugänglichen Stellen. Auf dem Waldstein hatte man zu einer Sumpfburg kein Gelände, man wählte deshalb eine durch tiber- hängende Felsen hufeisenförmig versteckte Stelle und schloss die offene Seite mit einer Art von cyklopisehem Wall. Obwohl die Wenden ver­hältnismässig spät einrücken und mit den römisch-byzantinischen bezw. mit den christlichen Deutschen Jahrhunderte lang in Verbindung kommen, so nehmen sie von denselben wenig an. Die Töpferware, wie überall im vorgeschichtlichen Slavenlaiule, ist roh, weit zurückstehend gegen die viel ältere germanische und die karpo-dacische Poterie. Ein Henkel anscheinend aus der letzten Periode, vielleicht aus der Zeit um 1000 stammend, ist als grosse Seltenheit aufgefunden. Herr Zapf irrt, wenn er meint, er habe zuerst auf wendische Ilenkelgefässe aufmerksam gemacht. Ich habe das schon in den siebziger Jahren v. J. bei Be­sprechung der slavischen Niederlassungen auf dem Sommerfeldschen Berg über der Stadt Oderberg i. M. gethau. Es kommen dort in den obersten Schichten zusammen vermischt vor: in wendischer Art gefertigte und schwach gebrannte Gefässe mit christlich-deutscher Stili­sierung, mit deutschen Ornamenten und Henkeln, ebenso umgekehrt in deutscher. Art hart und klingend gebrannte, dünnwandige, harte Gefässe mit wendischer Ornamentierung. Es handelt sich hier offenbar um die letzte Übergangszeit.

4. Die Pflegschaftsmitglieder des Märkischen Museums, Herren Rektor Otto Monke und Revisor Hermann Maurer, haben die Güte ge­habt, einen auf städtischem Rieselland nicht weit von Fran­zösisch-Buchholz und der Haltestelle Blankenburg einen riesigen Findlingsblock heut zu untersuchen, auf welchen die Städtische Kanalisations-Verwaltung aufmerksam gemacht hat. Der Stein, welcher anscheinend zu den grössten noch vorhandenen in der Mark Branden­burg, mindestens in der näheren Umgebung Berlins, gehört, wird Sonn­tag, den 6. Januar 1901, von mir unter Zuziehung der Genannten sowie einiger anderer Mitglieder der Brandenburgia besichtigt werden. Näherer Bericht deshalb Vorbehalten.

5. Auf Veranlassung unseres Mitgliedes, Herrn Dr. Hans Breiulicke, eines der hervorragendsten Philatelisten der Gegenwart lege ich für den Weihnachtstisch ein Büchlein vor:Der Briefmarken­sammler. Bearbeitet von Dr. Hans Brendicke. Heraus­gegeben von der Redaktion des Guten Kameraden Mit 108 Abbildungen. (Stuttgart, Berlin, Leipzig, Union, Deutsche Verlags-