14. (G. ordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjahres. 44 g
Gesellschaft 1900). In zu grosser Bescheidenheit bezeichnet sich das Werkelten als für die Jugend bestimmt, es ist so gründlich und so wissenschaftlich geschrieben, dass es für jeden Philatelisten ein vorzügliches Vademecum abgiebt, wozu sich das handliche Taschenformat besonders eignet. Kürzlich feierten wir übrigens das Jubiläum der Briefmarken. Am 15. November ist nämlich ein halbes Jahrhundert vergangen, seitdem bei der vormaligen preussischen Postverwaltung Briefmarken zum Frankieren der Briefe eingeführt wurden. Nachdem auf Grund des Gesetzes vom 21. Dezember 1849 die Ermässigung der Briefportotaxe durchgeführt war, verfügte der damalige Minister von der lleydt am 30. Oktober 1850, dass vom 15. November 1850 ab die Frankierung der Briefe, welche bei einer preussischen Postanstalt aufgegeben und nach Orten des preussischen Postbezirks oder nach einem zum deutsch-österreichischen Postverein gehörigen Staat bestimmt waren, mittels Briefmarken bewirkt werden konnte. Nicht zulässig war die Verwendung von Marken zur Frankierung von Briefen mit Wertangabe, mit Postvorschuss (Nachnahmen) und von Packetsendungen. Die ersten Marken trugen das Bildnis des Königs Friedrich Wilhelm IV. in Stahl gestochen und waren zum Wertbetrage von J / 2 , 1, 2 und 3 Silbergroschen angefertigt. Die Marken zu 1 /g Silbergroschen waren in orangefarbenem Druck auf weissem Papier, die zu 1, 2 und 3 Silbergroschen in schwarzem Druck auf rosarotem, blauem bezw. gelbem Papier hergestellt. In jeder Marke befand sich als Wasserzeichen ein das Bildnis des Königs umgebender Lorbeerkranz. Zur Entwertung der Marken wurden ebenfalls Stempel benutzt, doch trugen diese nicht den Namen der Postanstalt, sondern in vier konzentrischen Ringen eine Zahl, unter welcher die betreffende Postanstalt in einem alphabetischen „Postanstaltenverzeichniss“ erschien, ln Berlin aufgelieferte Briefe wurden mit den Nummern 103 bis 107, in Charlottenburg zur Post gegebene mit der Zahl 246 gestempelt, Potsdam hatte die Nummer 1159, und als eine der letzten Postanstalten war Zehlendorf mit der Nummer 1690 aufgeführt. Ich entsinne mich übrigens von meiner frühen Kindheit her noch einei' vor 1850 üblichen Briefmarke. Man gab die Briefe an den Sammelstellen, auch in Cigarrenläden und Materialgeschäften auf und erhielt dafür, gewissermassen als Ablieferungsquittung, eine aut weissem Papier schwarz bedruckte quadratische Marke, die man zur Kontrolle eine Zeitlang aufzuheben pflegte. Das Märkische Museum besitzt dergleichen Briefmarken aus den vierziger Jahren von verschiedenen Aufgabestellen in Berlin.
Herr Dr. Hans Brendicke hat dem Märkischen Museum für dessen hier, wie Ihnen erinnerlich, bereits einmal am 25. Januar d. J., Brandenburgs VIII. 5—7, zur Ausstellung gebrachte Ansichts-Post- karten-Sammlung eine Anzahl heut ausgelegter, schöner Postkarten
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