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14. (6. ordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjahres.
des Deutschen Kolonialhauses zugewandt, welche dessen Vertreter, Herr Bruno Antelmann, gütigst gespendet. Auch diese Karten, landschaftliche Ansichten, Völkertypen, Geräte, Kostüme, Waffeu, Tiere etc. unserer deutschen Kolonieen darstellend, sind für die Bereicherung der Kenntnis unserer ursprünglich von Brandenburg ausgegangenen überseeischen Kolonialbestrebuugen von Wert. Ich benutze die Gelegenheit, noch einige auf diesen internationalen Sammelsport bezügliche Nachrichten, die öffentlichen Blättern entnommen sind, hieran anschliessend unter a bis d mitzuteilen.
a) Der Deutsche und die Ansichtspostkarte. Im Ansichtspostkartenwesen nimmt der Deutsche die erste Stelle ein. Er erzeugt weitaus die meisten Ansichtspostkarten, und er verbraucht weitaus die meisten. Das steht fest und wird von allen rUckhaltslos zugegeben. Die Deutschen sowohl wie die Nichtdeutschen nehmen dies als etwas Natürliches, als etwas Selbstverständliches hin. Wie kommt das?
Man wird nicht fehlgehen, wenn man diese Erscheinung dadurch erklärt, dass die Stellung, die der Deutsche im Ansichtspostkartenwesen einnimmt, auf nationale Eigentümlichkeiten des Deutschen zurückzuführen ist; auf Eigentümlichkeiten, die man in früheren Zeiten und noch heute bisweilen als Fehler oder Schwäche des Deutschen anzusehen pflegte und pflegt. Das dem Deutschen eigene Weltbürgertum, seine Vorliebe für die Fremde und seine Teilnahme für allerhand Fremdes sowie der reiche Schatz von Gemüt, über den er verfügt, sind unstreitig die Hauptursachen, dass der Deutsche im Anfertigen, Versenden und Sammeln von Ansichtspostkarten es allen anderen Völkern zuvorthut. Der Deutsche entwickelt hier die Vorzüge seiner Fehler. Und deshalb soll man der Ansichtspostkarte und der Stellung, die der Deutsche zu ihr einnimmt, durchaus nicht gram sein. Die Ansichtspostkarte ist nicht nur eine reizvolle Nachhilfe für die Erinnerung, sondern auch ein nicht zu unterschätzendes Bildungsmittel. Wenn der Deutsche jene bevorzugt und dieses fleissig anwendet, so weiss er Angenehmes und Nützliches zu paaren. Das aber hat noch nie als tadelnswert gegolten.
Eine Statistik, die anlässlich der Pariser Weltausstellung ausgearbeitet worden ist, thut dar, dass die Erzeugung von Ansichtspostkarten in Deutsch- and absolut wie relativ bei weitem am grössten ist. Was den Verbrauch anlangt, so steht Deutschland ebenfalls mit obenan, aber nur in unbegrenzter Hinsicht. In verhältnissmässiger Hinsicht nimmt hier die Schweiz die erste Stelle ein. Das aber ist ganz erklärlich. Einmal ist die Schweiz dasjenige Land, welches verhältnismässig die meisten „Ansichten“ gewährt; dann ist sie ein Gebiet, das von den Vergnügungsreisenden ungemein bevorzugt wird. Die Vergnügungsreisenden aber sind diejenigen Menschenkinder, weiche am stärksten im Versenden von Ansichtspostkarten schwelgen. Und drittens ist der Anteil der Deutschen an der Zahl dieser Vergnügungsreisenden sehr gross. Kein Wunder, dass in der Schweiz ungewöhnlich viel Ansichtspostkarten verbraucht werden. Dieselben Voraussetzungen treffen auch bei den an ehrwürdigen und malerischen Städtebildern so reichen Staaten Holland und Belgien sowie bei dem mit Naturschönheiten verschwenderisch aus-