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12. (2. öfientl.) Versammlung.
zeigt in einem Oval das Brustbild eines türkischen höheren ordeugeschmückten Offiziers. Sicher bin ich auch in der Bestimmung dieses Bildnisses nicht. Hoch scheint es nur das Portrait des Generals Mehemed Ali Pascha zu sein, der ein geborener Märker — Brandenburg war seine Vaterstadt — war und ehemals Karl Detroit hiess. Kr zeichnete sieh bekanntlich beiPlewna aus und war nach der Beendigung des Krieges Mitglied des in Berlin im Jahre 1878 abgehaltenenCongresses. Noch in demselben Jahr wurde er in Albanien von Aufrührern ermordet.
Dienten die bisher vorgelegten Erinnerungs-Tücher, soweit sie politischen Charakters waren, der Zeitgeschichte selbst, so zu sagen der reinen Historie, so giebt es auch welche, die gewissermassen die Hilfswissenschaften der Geschichte, die Wappenkunde und Heraldik vertreten. Hierzu gehört ein prächtiges Exemplar von feiner, gelber Seide, 90 cm breit, 80cm lang. Es zeigt die Flaggen einer stattlichen Keihe von Staaten und Städten in ihrer ganzen Buntheit abgebildet. Darnach ist es wohl als Taschentuch für einen Seemann gedacht. Wir finden die Flaggen aus aller Herren Länder: chinesische und schwedische, preussische und amerikanische, Danzig neben Marokko, Mecklenburg neben Japan, die Flagge von Stettin neben der des Reiches Birma. Das Fabrikat dürfte englisch sein.
Ein anderesTuch, wahrscheinlich schweizerischer Herkunft, 73 cm breit, 70 cm lang,' von roter Baumwolle zeigt in der Mitte das Wappen der Schweiz (ein weisses Kreuz) umgeben von einem Eichkranz. An den Rändern sind die Einzelwappen von 22 Kantonen in gelber Grundfarbe aufgedruckt. Aus dieser Zahl der Kantone ergiebt sich für die Datierung des Tuches ein terminus ad quem. Es muss vor das Jahr 1848 fallen, denn damals fiel Neuenburg als 23. Kanton zur Schweiz. Inzwischen sind es durch die Spaltung von Appenzell und Basel 25 Kantone geworden.
Das folgende Erinnerungstucli ist deutsches Fabrikat. Von roter Baumwolle 60 cm breit, 53 cm lang zeigt es von einem in den Farben des deutschen Reiches gehaltenen, von eisernen Kreuzen geschmückten Rahmen eingefasst eine Darstellung des neuen kleinkalibrigen Gewehrs von 1888. Dies ist in kleinste Teilchen zerlegt; jeder Teil mit Hilfe von Ziffern sorgfältig beschrieben und benannt. Für unsere Soldaten bestimmt, ist dies Stück eines schönes Beispiel für die erziehliche und lehrhafte Verwendung des Erinnerungstuches. Aber nicht bloss profanen, auch heiligen Zwecken dient das Erinnerungstuch.
So zeigt No. 16 ein 53 m breites, 76 cm langes Tuch von gelber Seide als bildliche Darstellung, wie der Franziskanermönch Bona- ventura, der wegen seiner grossen Gelehrsamkeit zum sextus doctor ernannt ward und wegen seiner himmlischen Sanftmut den Beinamen