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14. (5. ordentliche) Versammlung des VI. Vereinsjahres.
rechts am Aufstieg belegenen Denkmals für den Professor Ferdinand Voigt, als Seitenstück hierzu links. Hierzu will die Eulersche Schrift beitragen, die mit warmer Begeisterung für die mannhafte Turnkunst und mit pietätvoller Liebe für Massmann geschrieben ist, welcher zu Berlin, Mohren-Strasse 36, am 15. August 1797 geboren, in Moskau bei seinem Sohn Berthold am 3. August 1874 verstarb. Als Teilnehmer an dem Wartburg-Fest im Herbst 1817 wurde Massmann in die Demagogen- Verfolgungen, welche zwei Jahre darauf die Aufhebung der Deutschen Burschenschaft und die Schliessung der Turnplätze zur Folge hatte, verwickelt. Von 1827 ab übersiedelte Massmann nach München, wo er die Leibesübungen des Kadettenkorps mit Erfolg leitete und 1829 den ersten bayerischen Turnplatz in München einrichtete. Aus Dankbarkeit ist Massmann hier auf dem weiten Turnplatz des Oberwiesenfeldes am 24. Juli 1876 ein Denkmal aus Tuffstein und Marmor mit der Inschrift enthüllt worden: „Dem dauernden Andenken an den Königlichen Universitätsprofessor Hans Ferdinand Massmann, geboren den 15. August 1797, gestorben den 3. August 1874, dem ersten und langjährigen Lehrer der Turnkunst in München, dem Begründer dieser Anstalt errichtet“.
Seit 1841 schwebten bei der preussischen Regierung Verhandlungen mit Massmann wegen der Wiedereinrichtung des Turnwesens; 1843 wurde er zu diesem Behufe nach Berlin berufen und der neue Turnplatz, da der alte Jahnsche Turnplatz während der Turnsperre eingegangen war, nördlich und unterhalb desselben, so wie er noch heut liegt, nach Art des Münchener Turnplatzes 1844 eingerichtet. 1845 begründete das Unterrichtsministerium nach Massmanns Vorschlägen die Turn- lehrer-Bildungsan'stalt. *
Daneben war er als akademischer Professor an der hiesigen Universität thätig; er las Gotisch, Althochdeutsch, Mittelhochdeutsch, Tacitus Germania u. dgl. Ich habe bei ihm Ende der fünfziger Jahre die Vorlesung über das Nibelungenlied gehört und entsinne mich noch, wie sein allerdings auf dem germanistischen Gebiet viel bedeutenderer Amtsgenosse Moriz Haupt ihn ungeniert an griff. „Wenn Sie Unsinn
hören wollen, gelten Sie doch nebenan!“ dabei deutete der von den Studenten „der grobe Haupt“ genannte Kollege nach dem Auditorium, worin Massmann las. Freilich war Haupt ein Streithahn ersten Ranges. Euler spielt noch auf die heftigen Angriffe Heinrich Heines wider unsern Massmann au. Ich linde in dem Bären - Epos Atta Troll die Verse, die sich auf Trolls und Mummas Junge beziehen:
Woldgelockte Bärenjungfrau’n,
Blond von Haar, wie Pred’gerstöchter;
Braun die Buben, nur der Jüngste Mit dem einz’gen Ohr ist schwarz.