Heft 
(1897) 6
Seite
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14. (5. ordentl.) Versammlung des VI. Vereins] ahres.

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Dieser Jüngste war das Herzblatt Seiner Mutter, die ihm spielend Abgebissen einst ein Ohr;

Und sie frass es auf vor Liebe.

Ist ein genialer Jüngling,

Für Gymnastik sehr begabt,

Und er schlägt die Purzelbäume Wie der Turnkunstmeister Massmann.

Frisch und frei und fromm und fröhlich,

Ist verhasst ihm alle Seife,

Luxus des modernen Waschens,

Wie dem Turnkunstmeister Massmann.

Diese in jeder Beziehung bezüglicli unsers Turnmeisters ungerechten Verse stammen etwa aus der Zeit von 1841 bis 1842. Viel schlimmer lautet es in dem von Heinrich Heine 1853 bis 1856 gedichteten Liede Die Menge thut es, wo geschildert wird, wie Massmann in der Bier­seligkeit von seinen eigenen Turnern geprügelt wird:

Und der Massmann mit der platten Mas,

Hat Massmann noch nicht gebissen ins Gras?

Ich will es nicht wissen, o sagt es mir nicht,

Wenn er verr .... ich würde weinen.

O mag er noch lange im Lebenslicht Hintrippeln auf seinen kurzen Beinchen,

Das Wurzelmännchen, das Alräunchen Mit dem Hängewanst! 0 diese Figur War meine Lieblingskreatur So lange Zeit ich sehe sie noch

So klein sie war, sie soff wie ein Loch,

Mit seinen Schülern, die bierentzügelt Den armen Turnmeister am Ende geprügelt.

In noch roherer Weise geht es zwölf Verse weiter. Die drollige Figur Massmanns ist hier in boshafter Weise kladderadatschartig karri- kiert. Allerdings erregte das Äussere Massmanns, der altvaterische Rock, der ungestärkte grosse über den Rockkragen geschlagene Hemd­kragen vielfach die Spottlust. Ich war mit zwei Söhnen Massmanns, die, irre ich nicht, Friedrich und Dietrich Messen, auf dem hiesigen Friedrich Werderschen Gymnasium einige Jahre zusammen; Friedrich, der ältere, war in einer höheren Klasse, Dietrich mit mir ungefähr gleichaltrig und in der nämlichen Klasse; beide waren durch den Vater genötigt, dieselbe altertümliche jahn-massmannsche Normaltracht zu tragen und wurden dieserhalb weidlich belächelt. Allerdings mehr hinter dem Rücken, denn sie hatten schwere Fäuste und würden jedem, der sie offen verhöhnt, mit einer tüchtigenJahnschen Tachtel gelohnt haben.

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