Heft 
(1897) 6
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14. (5. ordentl.) Versammlung des VI. Vereinsjahres.

An diesen Äusserlichkeiten allein kann aber die eingewurzelte Ab­neigung zwischen Massmann und Heinrich Heine nicht gelegen haben. Sie waren beide fundamental verschiedene Naturen, wenn auch darin eins, dass sie sich gegen die bestehenden Zustände auflehnten. Während Massmann durch ein geträumtes Ideal altdeutscher Biederkeit die deutsche Jugend, gleich Jahn, gewissermassen atavistisch und tugendbündlerisch wieder beleben wollte und deshalb in den Verdacht demagogischer Um­stürzlerei geriet, blickte Heine mit dem sog. jungen Deutschland wie fasziniert auf den gallischen Nachbar und suchte nach der Juli-Revolution eine Verbesserung unserer Zustände nur in der Nachahmung des Jahn und Massmann so überaus zuwideren Franzosentums.Die Freiheit ist eine neue Religion, die Religion unserer Zeit. Die Franzosen sind aber das auserlesene Volk der neuen Religion, in ihrer Sprache sind die ersten Evangelien und Dogmen verzeichnet, Paris ist das neue Jerusalem, und der Rhein ist der Jordan, der das geweihte Land der Freiheit trennt von dein Lande der Philister. Mit solchen Worten be­schloss bereits 1828, also schon vor der Juli - Revolution, Heine seine Englischen Fragmente. Bei so gegensätzlichen Standpunkten bedurfte es nur eines geringen Anstosses, um Heine und Massmann zu unver­söhnlichen Feinden zu machen. Wahrscheinlich jedoch ist dieser An- stoss zunächst nicht litterarischer, sondern persönlicher Natur gewesen, und hat Massmann mutmasslich die hochgradige Eitelkeit Heinrich Heines irgend einmal verletzt. Da Massmann sich hierüber ausge­schwiegen, so kann nur ein ungefährer Zufall einsmals vielleicht die Sache aufklären. Litterarisch hat Massmann jene boshaften Angriffe Heines, obwohl er diesen viele Jahre überlebte, niemals vergolten; er war dazu eine zu biedere und im guten Sinne vornehme Natur.

Am 19. Juli 1877 erfolgte auf dem Friedhof zu Muskau die Ent­hüllung eines Denkmals für unsern Turmeister auf dessen Grab. Auf dem 2 1 i I 2 Meter hohen Obelisk von Syenit ist das bronzene Reliefbild des Verblichenen eingelassen; darunter die Inschrift:

Hans Ferdinand Massmann, geboren am 15. August 1797 gestorben am 8. August 1874.

Auf der Rückseite die Worte:Gewidmet von seinen Freunden und Turngenossen.

Herr Hartstein hat die wichtigsten Turn- und Vaterlandslieder Massmanns, die noch jetzt in den Kreisen des vierfachen F gesungen werden, für die Verehrer des Meisters beigefügt, auch sonst an dem Buch vielfach mitgearbeitet.

Man kann es eine Ehrenpflicht Berlins und der Berliner nennen, dass Massmann auch auf dem jetzt ältesten, von ihm eingerichteten berlinischen Turnplatz, da, wo Euler es bezeichnet, ebenfalls ein Denk-