Heft 
(1897) 6
Seite
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14. (5. ordentl.) Versammlung des VI. Vereinsjahres,

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stein errichtet werde. Möge die Schrift der Verfasser dazu beitragen, dass das Denkmal recht bald entstehe.

4. Herr E. Friedei hält einen Vortrag:

Über primitive Nahrungsmittel aus dem Pflanzen- und fier-Reich (Brot, Butter und Käse, Schnecken und Muscheln).

A. Primitive Pflanzenkost.

Das Brot.

Die Brotnahrung erscheint in der ursprünglichsten Form als die noch halbreife Kornähre, die ausgerauft und verzehrt wird, wie die Jünger Christi an einem Aftersabbath, da sie mit dem Heiland durchs Getreide gingen, Ähren ansrauften, sie mit den Händen rieben und die Körner zum Ärgernis der Pharisäer assen (Evang. Lucae, (5, 1). Auf diese Weise mag der Urmensch zuerst zufällig bei einer korntragenden Grasart zum Genuss der Brotfrucht veranlasst und dahin geführt worden sein, um sich dieses Nahrungsmittel in Menge beisammen zu verschaffen, die reifen Körner auszusäen.

Die reifen Körner selbst vermochte er aber nicht zu gemessen; der Urmensch wird aber am Feuer bemerkt haben, wie dieses die harten, reifen Getreidesamen brüchig und weicher macht. So entstand die Er­lindung des Getreideröstens. Sangen nennt die lutherische Bibel­übersetzung das geröstete Korn*). Dergleichen Sangen oder Getreide­ähren, weiche das Alte Testament öfter erwähnt, wurden zerkleinert zu einem Speisopfer der ersten Früchte nach 3. Moses 2, 14 am Osterfest geopfert, wobei man sich erinnern wolle, dass der Weizen in Palästina schon im April reift.

Aber auch die Sangen sind noch kein Brot, sobald aber die Sangen zerstossen, mit Wasser zu einem Brei gerührt und gesalzen werden, kommen wir dem Brote näher und es entsteht das letztere, wenn dieser Brei auf heissen Steinen zu einem flachen Kuchen oder Fladen ausgebacken oder geröstet wird.

Es ergiebt sich dann, in Folge der aufweichenden Eigenschaft des Wassers, leicht, dass das Rösten der harten Getreidekörner unnötig ist, dass vielmehr viel besser zum Verbacken sich die hart ausgereiften, ungerösteten Körner, zerstampft, zerrieben, zermahlen, eignen. Damit

*) Die Sange ist ein Ährenbtischel, die Körner darin reit oder nahe zu reif. Grimm, Wörterbuch S. 1789. Luther 3. Mos. 2, 14 übersetzt:und assen vom getreide des Lands, nemlich ungeseurt brot und sangen (andere Lesart:versengete ehren'-. Frischbier 2, 247:das Korn ist schon in der Sange, sagt man in Preussen, wenn der Roggen anfängt, Körner anzusetzen. Das Zeitwort sangen bedeutet, Ge­treide schneiden und in Garben binden.Wenn das getraid sang wird, so soll man sangen an einem mittage. Dies setzt wiederum den Begriff der Reife des Korn in der Sange (Garbe) voraus. Grimm, weisth. 3, 582.