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14. (5. ordentl.) Versammlung des VI. Vereinsjahres.
kulturmenschen, sondern auch kräftigere natürliche Esswerkzeuge voraus. Über die Art des Brotessens belehren uns die Schneidezähne der uralten Schädel aus der Schweiz, Frankreich, Belgien, Skandinavien und Deutschland. Sie zeigen uns, dass die betreffenden Völker sich damals in diesem Punkte im Grossen und Ganzen von uns recht erheblich unterschieden. Ihre Schneidezähne zeigen nämlich, bei älteren Personen, keine scharf zulaufende, sondern eine plane Oberfläche ähnlich den Backen- oder Mahlzähnen. Diese Besonderheit ist durch die mahlende oder schrotende Bewegung der Kiefern beim Kauen des groben Brotes hervorgerufen. Beim Kauen setzten die Urmenschen beide Kiefer derartig gerade aufeinander, dass die Schneidezähne meisselartig genau aufeinander passten, während die Mehrzahl der modernen Kulturmenschen die oberen gegen die unteren Schneidezähne scheerenartig kreuzt; man kann jene alten Brotesser daher Meisselbeisser, die modernen Brotesser dagegen Scheerenbeisser nennen. Wahrscheinlich hatten auch die alten Egypter diese noch heut zu Tage bei den allerdings mehr von tierischer Kost lebenden Eskimos und Grönländern die Kegel bildende Art des Essens. Dadurch nutzten sich die Schneidezähne allmälig wie bei den alten Pferden ab, mitunter bis auf die. Wurzel und, für uns beinah unbegreiflich, der Regel nach ohne hohl und kariös zu werden. Einen solchen Schädel, den fälschlich so benannten Mammuthmenschen, gefunden auf dem Kiesgrubengelände unseres Mitgliedes Franz Körner, wahrscheinlich einem Wenden, etwa aus der Zeit zwischen 1000 und 1100 n. Chr. angehörig, habe ich in der „Brandenburgs“ am 22. August 1885 erörtert („Brandenburgs“ IV, 162 flg.).
Erhalten hat sich das harte fladenartige Brot der Urzeit noch in manchen Teilen der Schweiz und Süddeutschlands, besonders aber in Schottland, Norwegen, Schweden, Bornholm und Island. In den schottischen Hochlanden wird noch jetzt primitives Brot aus Gerste, Hafer und Buchweizen bereitet, ln verfeinerter Gestalt erhält man es zum Frühstück in den schottischen Gasthöfen als oat-cakes und buck- wheat-cakes. Auf Island, den Färöer, den Lofoten und in manchen Teilen von Norwegen hat man noch das altnordische Brot, wie es Karl Weinhold, „Altnordisches Leben“, Berlin 1856, S. 149 schildert: „Man buk es aus Gerste, Roggen und Weizen. Die Bauern und die Ärmeren machten es aus grob geschrotenem Korn und es wurde demnach dick und schwer; die Weizenbrote aber waren, wie unsre Kuchen, dünne Platten. Die Laibe wurden fest und hart gebacken und dann auf langen Vorrat aufgehoben, wie noch jetzt skandinavische Sitte ist. In den ärmeren und nördlicheren Gegenden wurde auch der Hafer zu Brot genommen“.
Noch jetzt ist das gewöhnliche Brot in Schweden und Norwegen das dünne fladenartige, leicht zerbrechliche, krumelose Knäckebrot,