14. (5. ordentl.) Versammlung des VI. Vereinsjahres. 385
Körner.*) Bei der dichten sechszeiligen Gerste schliessen sich die Hülsen dicht um das Korn, und würde es schwerer gewesen sein, sie von einander zu trennen, dagegen lassen sich in den Sangen d. h. den gerösteten Ähren die Körner leicht von einander trennen. Das grobe Weizenbrot aus den Pfahlbauten, der sogenannte Pfahlbaupumpernickel, lässt sich nach Prof. Robert Hartmann mit dem recht groben Weizenkuchen vergleichen, das den egyptisch-senaarischen Truppen als eiserner Bestand gereicht wird und das auch vorkommende Hirsebrot mit dem Durrahbrote der Kordofaner und Funji. Es scheint ausser Zweifel, dass das Backen des Brotes dadurch bewerkstelligt ward, dass man den Teig auf heisse Steine legte und mit glühender Asche bedeckte, wie es in der Edda heisst: „Da nahm Edda einen Laib aus der Asche, schwer und klebricht und voller Kleien“. Die Poren im steinzeitlichen Brote sind ganz klein und dicht zusammenstehend, ein Beweis, dass es, wie ich schon andeutete, keine eigentliche Krume besass, zwiebackähnlich war und dass man damals noch nicht verstand, das Brot durch Gährung zu treiben. Eine gewisse Raffiniertheit spricht sich gleichwohl schon damals darin aus, dass man dem Hirsebrot stets einzelne Körner von Weizen und von Leinsamen beimengte.**) So entstanden Brotkuchen von nur 2 bis 4 cm Dicke, rundlich, in der Mitte etwas vertieft oder durchlöchert, um die Kuchen auf Stangen zu schieben oder zusammenzubinden. Auch hier bestand der Teig nicht aus Mehl, sondern aus mehr oder weniger zermalmten Getreidekörnern. Man kann darin noch viertel, halbe, ja ganze Körner erkennen, desgleichen Kleie und Halmstückchen. Nicht viel besser wird das vorbeschriebene Livingstonesche Negerbrot aussehen und schmecken.
Das grobe Gefüge des urzeitlichen Brotes, seine Härte, die unwillkürlichen Beimengungen von Kleie, Halmen, Asche, Steinchen und Sand setzten nicht bloss leistungsfähigere Mägen als die des modernen Uber-
*) Nach de Candolle wurde Hordeum hexastichum von den Hellenen und Körnern angebaut. In Bezug auf das geröstete Getreide sagt L. Figuier: l’Homme Primitif, Paris 1870, p. 326: „Les grains fetaient grillés avant le broiement, puis déposés dans des vases légèrement mouillés. On les mangeait en cet état. II paralt qu’ä l’époque de la conquete des lies Canaries par les Espagnols, les indigènes préparaient les céréales de cette façon, et qu’aujourd’bui encore la plus grande partie de la population des memes parages se nourrit avec des grains torréfiés“, Dies aus Sangen hergestellte kanarische Mehl heisst Gofio und ist auch in Berlin käuflich.
**) 2 Sorten Hirse kommen in den Pfahlbauten vor, Kispenhirse (Panicum miliaceum L.) und Kolbenhirse, Fennech, Fennich (Setaria italica). v. Hellwald a. a. O. u. Fr. Katzel, Vorgeschichte des europ. Menschen. 1874. S. 193. Iler erwähnte Leinsamen ist nicht von unseren Flachs (Linum usitatissi- mum L.), sondern der im Mittelmeergelände heimische Linum angustifolium, den auch die Altegypter benutzten. (Nach Osw. Heer: die Pflanzen der Pfahlbauten.)