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14. (5. ordentl.) Versammlung des VI. Vereinsjahres.
Im Feuer geplatzte Steine, die für das Brotbacken zeugen, haben sich bei jenen primitiven Mahlvorrichtungen in unserer Gegend recht häufig gefunden, ebenso Kohlen und Aschenreste, dagegen anscheinend keine Brotreste, auch nicht in Torfmooren, was aber wohl nur an der Unkenntnis unserer Torfgräber und dem geringen Interesse liegt, welches dieTorfgäbereibesitzer gewöhnlich für dergleichen Gegenstände leider bei uns an den Tag legen.
Aber erst die christlich - deutschen Einwanderer führen bei der Regermanisierung des Wendlandes die Wassermühlen, d. h. die ersten mit Maschinenkraft getriebenen Mühlen ein, und so wichtig, so bedeutsam sind diese Einrichtungen, dass sich sogar die Gründung von Städten an diese Wassermühlen anknüpft. Keine geringere Stadt, als diejenige, in der wir uns befinden, der Vorort des deutschen Reichs, verdankt seine Umwandlung aus einem wendischen Fischerdorf in eine deutsche Stadt den Wassermühlen, welche zur Mehlbereitung an dem quer durch die Spree errichteten Mühlendamm errichtet wurden, der gleichzeitig zwei Landschaften, den Teltow und den Barnim, und dereinst zwei Städte Berlin und Kölln an der Spree mit einander verbinden sollte.
In jener primitiven Weise ist auch das Brot aus den Pfahlbauten der Schweiz, jüngeren Steinalters, hergestellt, ohne Hefe. Ich lege Ihnen Proben vor, die Herr Jacob Messikomer in Wetzicon bei Zürich von seinem Pfahlbau zu Robenhausen dem Märkischen Museum mitgeteilt hat. Diese Brote waren kreisrund flach, fladenartig, 4 bis 5 Zoll im Durchmesser, also wie die auf sehr frühe Zeiten zurückbeziehbaren Berliner Salzkuchen, die im Volksmunde „Schusterjungen“ heissen und aus den bei der Brotbereitung übrig bleibenden Teigresten, allerdings jetzt mit Hefe, hergestellt werden. Hierzu sind von den Pfahlbauern drei Weizensorten (Triticum vulgare antiquorum, Tr. vulgare compaetum und, was besonders interessant, der egyptische [Mumien-] Weizen Tr. turgidum) verwendet worden. Das Brot war also ohne Krume, ähnlich dem Schiffszwieback, nur viel gröber.*) In anderen Fällen hat man die Körner geröstet, grob zwischen Steinen zerstampft und leicht angefeuchtet gegessen, wofern man sie nicht in grossen irdenen Töpfen verwahrte. Nur Weizen und Hirse scheint man zur Brotbereitung verwandt zu haben. Auch die von mir erwähnten Sangen kommen in den Pfahlbauten vor. Und zwar die dichte sechszeilige Gerste (Hordeum hexas- tichum densum L.), unterschieden von unserer gemeinen Gerste (H. vulgare . L.) durch die Zahl der Zeilen und kleineren
*) Vgl. Sir John Lubbock: Die vorgesch. Zeit. Deutsch, von Passow, I. 200 flg, — Fr. v: Hellwald: Der vorgesch. Mensch. 2. Aufl. 1880, S. 578 flg. — N. Joly: Der Mensch vor der Zeit der Metalle. Lpz. 1880. S. 245 flg.