Heft 
(1897) 6
Seite
383
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14. (5. ordentl.) Versammlung des VI. Vereinsjahres.

beweglich liegenden Stein ausgehöhlt. Wenn die Frau Korn zu mahlen hat, kniet sie, ergreift mit beiden Händen den konvexen Mahlstein und führt ihn in der trogartigen Höhlung hin und her, etwa wie ein Bäcker, wenn er seinen Teig presst und vor sich ausrollt. Die Müllerin drückt dabei mit voller Kraft auf den Mahlstein und schüttet von Zeit zu Zeit frisches Korn in den Trog. Dieser ist nach vorn geneigt, der Art,

dass das Mehl von selbst herunterfällt und zwar in ein zur Aufnahme vorbereitetes Tuch.

Ganz ähnlich sind die Mühlen der neoli- thischen Stein- und der Bronze-Zeit, wie sie in Deutschland, häutig genug auch in unserer Provinz Brandenburg Vorkommen. Siehe die Abbildung: Mahltrog und Mahlstein.

Johann Beckmann in seinenBeyträgen zur Geschichte der Er­findungen, Band 11, 1788, S. 2 hält den Mörser (όλμος, pila) und die Keule (ύπερος oder ὕπερον, pistillus oder pistillum) für die älteste Brot­mühle; ich glaube aber, sie war mehr ein Notbehelf da, wo man nicht über geeignete Steine verfügte, denn diese sind doch wirksamer und von der Natur fertig geliefert, während Mörser und Keule doch schon mehr eine künstliche Herstellung voraussetzen. Auch einzelne Tiere (Affen) bedienen sich der Steine zum Zerschlagen, z. B. von Nüssen.

Bei den klassischen Völkern wird der Reibestein mit dem Korn­quetscher und der Mörser mit der Stampfkeule durch die Handmühle mit einem unteren festgestellten und einem oberen beweglichen Stein, dem Läufer, abgelöst, in welchen Läufer ein Loch für den zum Drehen dienenden Handgriff' eingemeisselt ist. Diese Arbeit war eine schwere und nur von niedrigen Personen geübte, daher der Herr durch Moses ( 2 . Moses 11,5) sagen lässt: Alle Erstgeburt in Egyptenland soll sterben, von dem ersten Sohne Pharaos bis an den ersten Sohn der Magd, die hinter der Mühle ist. Gleichzeitig wurde die Handmühle als das zum Lebensunterhalt notwendigste Gerät angesehen. Deshalb die Be­stimmung: Du sollst zum Pfände nehmen weder die beiden Mühlensteine noch auch nur den Läufer, denn der Mann setzt Dir damit sein Alles zum Pfände. 5. Mos. 24, 6. Herr Ferd. Meyer legte hierzu das Modell einer Handmühle vor, wie sie noch jetzt von der semitischen Bevölkerung in Palästina gebraucht wird.

In der wendischen Zeit kommen bei uns schon Handmühlen vor, zwei Steine, die mit der Hand von Frauen und Sklaven gedreht wurden und bereits einen bedeutenden Fortschritt in der Fabrikation bedeuten.