Heft 
(1897) 6
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14. (5. ordentl.) Versammlung des VI. Vereinsjahres.

auch nur dem Nordgermanen, dem Süddeutschen und dem Südländer durchaus nicht.

In der That gehört zu den mancherlei auffallenden und schwer­wiegenden Unterschiedlichkeiten zwischen Deutschland nördlich und südlich der Main-Linie nicht zum wenigsten die Art, wie die hier ver- vertretenen Völkerschaften über die Butter denken. Einer der besten Kenner des Germanentums, der schon genannte Karl Weinhold drückt sich über die Sache a. a. 0. S. 144 wie folgt aus:Man kann behaupten, dass die Butter mit der wachsenden nördlichen Breite an Wert und Verbrauch wächst. Im Süden ganz durch Öl ersetzt, in den deutschen Alpen selten frisch genossen, sondern zuSchmalz eingesotten und beim Kochen der Speisen verbraucht, beginnt erst in der Mitte von Deutsch­land die frische Butter die beliebte und fast unentbehrliche Zuspeise zu werden. In Skandinavien steigert sich dies noch. Keiner ging auf eine längere Reise über die Berge oder über See, ohne seinen Butterkorb (smiörhlaupr); die Abgeordneten zur Gerichtsversammlung erhalten Butter, Mehl und Malz zur Reisekost; Buttervorräte wurden in allen Höfen aufgeschichtet und machten einen grossen Teil des Volksver­mögens aus. Als die deutschen Kaufleute auf die norwegischen Märkte kamen, haben sie vorzugsweise Butter aufgekauft. Ausser der Kuh­milch wurde und wird auch die Schafmilch verbuttert. Wie dort heute, so scheint man auch in älterer Zeit die Butter selten frisch, sondern nur alt und sauer genossen zu haben. Nachdem die Molken sorgsam ausgepresst sind, wird die Masse in besonders dazu gebauten Schuppen, die eine Länge von 30 bis 40 Fuss zuweilen haben, aufbe­wahrt und hält sich, nachdem sie in Säure übergegangen, gegen zwanzig Jahre. Je saurer, um so kräftiger schmeckt sie den Is­ländern; sie ist die belebende anreizende Zuthat zu den dürren harten Broten und den trocknen Fischen.*)

Neben den Nordgermanen haben besonders eifrig auch die nördlichen Kelten auf Irland der Butterbereitnng obgelegen. Die Iren haben ebenfalls

*) In der Skida-Rima, einem satirischen Gedicht, das der Hofskalde des Königs Sigurd-Jorsalafars gemacht haben soll, wird erzählt, dass als Skidi die Freya zur Ge­mahlin haben und sich ausserdem noch eine Gnade von Odin ausbitten sollte, sei er, weil er ein elender, gemeiner isländischer Bettler gewesen, darauf verfallen, sich seinen mitgebrachten Kasten voll Butter auszubitten, welchen Wunsch Friggia nach Odins Befehl allsogleich erfüllte. Als nun Skidi im Hittardal einsam und verlassen erwachte, dachte er sogleich, dass er auch mit der Butter genasführt sein werde, fand aber zu seinem Tröste den Kasten mit sehr saurer und kräftiger alter Butter, also mit dem unverkürzten Göttergeschenk gefüllt war. Vgl. Eggert Olafsen, Reise durch Islandi § 43. Aus Norwegens Heidenzeit wird eines Geschenks an Schmeer (Sauer - Butter) gedacht, welches so gross war, als ein starker Mann tragen konnte und dies wird als ein gar ansehnliches Geschenk gepriesen. Torfaeus, histor. Norweg. P. I. 6, sect. 3, c. 2, p. 319. E. Friedel,