Heft 
(1902) 11
Seite
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8. (3. ordentliche) Versammlung des XI. Vereinsjahres.

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Verklärend fallt auf die Geschichte des alten Handelshauses die Erinnerung an die Jugendzeit von Preussens grossem Könige Friedrich II. Bekannt ist die Vorliebe des jungen Kronprinzen Fritz für die hervorragenden Geisteswerke der alten klassischen und der feinen, geistvollen französischen philosophischen, historischen und poetischen Literatur. Bekannt ist aber auch die Abneigung, die sein um Preussens Grösse so hochverdienter Vater Friedrich Wilhelm I. gegen alles hatte, was nicht einen unmittelbar praktischen Wert besass. Streng wurde alles vom Hofe und aus der Nähe des Prinzen verbannt, was dem Könige missfiel und in des Kronprinzen literarische Neigungen passte. I)a war es denn Ambrosius Ilaude, dem Friedrichs Vertrauen zuteil wurde. Zwischen dem Kronprinzen und Haude entstand durch die Vermittelung von des Prinzen ehemaligem Lehrer Duhan ein reger Verkehr. Und als im Frühjahr 1730 im königlichen Schlosse Kronprinz Fritz bei verbotenem Flötenspiel mit Meister Quantz vom Könige über­rascht wurde, und daran sich eiue genaue Untersuchung der kronprinz- lieben Gemächer schloss, die allerhand dem Kronprinzen verbotene Bücher, in Tapetenschränken verborgen, zu Tage förderte, hielt Haude treu zum Kronprinzen, ein bei der Strenge des Königs sehr gefährliches Wagnis. Der haushälterische König Hess die dem Prinzen fortgenommenen Bücher alsbald verkaufen; der Käufer war Haude, der sie dann, wie Friedrich Nicolai berichtet, dem Kronprinzen einzeln zurücklieferte, bis alles wieder beisammen war. Ausser seiner kleinen wechselnden Hand­bibliothek, in der er oft nur Nachts lesen konnte, besass der Kronprinz noch eine stattliche, mehrere tausend Bände starke und grösstenteils auf Duhans Vorschläge durch Haude und den Buchhändler Christoph Gottlieb Nicolai beschaffte Privatbibliothek, die in einem besonderen, vom Kronprinzen gemieteten Ilinterzimmer der Haudeschen Buch­handlung in verschliessbaren Schränken aufgestellt war und vom Prinzen bei seinen Berliner Aufenthalten oft benutzt wurde. Nach dem Flucht­versuche des Prinzen im August 1730 wurde auch seine Privatbibliothek entdeckt und verkauft. Diesmal aber ging man vorsichtiger zu Werke; die Bibliothek wurde nicht in Berlin verkauft, sondern über Hamburg nach Amsterdam geschickt und dort durch Vermittelung des königlich preussi- schen Residenten Warcin versteigert, unter dem ausdrücklichen Befehl des Königs, dass niemand wissen sollte, woher die Bücher stammten.

Ich reiche das Buch zur Einsichtnahme herum.

XXIX. Die neue Kriegsschule in Potsdam. Nachdem der Blick von Potsdam nach der Gegend des Brauhausberges schon seit mehreren Jahren durch die grossartigen Bauten der Sonnenwarto gewaltig verändert worden, ist eine neue Verschönerung des Brauhausberges durch den am 1. August 1902 eingeweihten imposanten Neubau der Kriegs­schule eingetreten.