Heft 
(1903) 12
Seite
87
Einzelbild herunterladen

17. (8. ordentliche) Versammlung des XI. Vereinsjahres.

87

an Jasenitz gekommen. Als Barnim der Erste 1250 die Uckermark an Brandenburg abtrat, wurden dem Bischof von Kammin ausdrücklich seine Hechte garantiert. Durch den Vertrag von Landin wurde es also aus­geschlossen, dass die pommersche Uckermark bei ihrem Übergange in die Herrschaft der Askanier der Kamminer Diözese entzogen und dem Bistum Brandenburg unterstellt werden durfte. Dagegen hatte der Vertrag keine rückwirkende Kraft auf die bereits vor 1250 gemachten markgräflichen Eroberungen in der Uckermark, die kirchlich dem Bistum Brandenburg angehörten. Die Grenzlinie dieser Diözese gestattet demnach einen Schluss auf die Ausdehnung der aSkanischen Er­oberungen. Die äussersten Punkte des Brandenburg-Sprengels sind nach der Matrikel von 1459 die Orte Feldberg, Karwitz, Thomsdorf, Rosenow, Jakobshagen, Klosterwalde, Milmersdorf, Libbesike, Alt-Künkendorf, Welsow, Grünow und Passow. Diese Linie reicht nicht ganz an die Linie Boitzenburg, Gerswalde, Greiffenberg heran, überschreitet dieselbe aber bei Angermünde. Noch 1253 hat Bischof Konrad von Kammin in Oderberg bischöfliche Rechte ausgeübt unter Anerkennung derselben durch zwei brandenburgische Kitter der dortigen Besatzung. Auch die päpstliche Bestätigung des Klosters Gottesstadt in Bardin bei Oderberg vom 11. Oktober 1233 rechnet dies Prämonstatenser Stift zur Kamminer Diözese. Es muss also aus unbekannten Ursachen zwischen den beiden Bischöfen ein Vergleich geschlossen sein, der 1258 bei Gründung des Klosters Chorin bereits perfekt war und durch welchen die beiderseitigen Grenzen teils vorgerückt, teils zurückgezogen wurden. So ändern diese geringen Differenzen nichts an der Tatsache, dass die alten Burgen Angermünde, Greiffenberg, Fredenwalde, Gerswalde, Boitzenburg die Endpunkte der askanischen Invasion im Uckerlande bezeichnen. Jenseits dieser Linie setzen nicht bloss die slavischen Ortsnamen fast aus­schliesslich ein und zwar am auffallendsten östlich von Greiffenberg, Angermünde und Stolzenhagen, sondern auch das Bild der Befestigungen wird ein total anderes. Altpommersche Oppida scheinen Stolpe, Biesenbrow und Potzlow, die vielleicht ein Trutz-Brandenburg bedeuten. Prenzlau und Pasewalk sind uralte Kastra, welche die Uckerübergänge sperrten. Strassburg, Wolfshagen und Fürstenwerder sind antimeklenburgische Anlagen aus späterer Zeit. So bleiben nur Brüssow und Jagow als Konzentrierungspunkte der pommerschen Macht in dem unterworfenen Uckerlande und die Oderfestung Schwedt, die wie Garz, Fiddichow, Zehden zur Beherrschung der Schiffahrt dienten. Jenseits der viel­genannten Grenzlinie hat keine ältere Befestigung einen deutschen Namen, diesseits derselben fast alle, liier folgen dieselben sich in regelmässigen Abständen, dort kann von einem Befestigungsnetz keine Rede sein. Der Unterschied ist zu markant, als dass er zufällig sein könnte.