Heft 
(1908) 17
Seite
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Beiträge zum Berliner Schulwesen.

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Dem Befehl der Order, den Unterricht auf das Notwendige und Nützliche zurückzuführen, kamen auch die Berliner Regimenter nach. Die bestehenden Elite-Gruppen verschwanden, und die Feldprediger er­hielten von den Regimentschefs bezw. Kommandeuren Befehl,die Lehr­pläne der Königlichen Verordnung gemäß zu gestalten. Die Stoffe in den Realien wurden beschränkt, Welt- uud Himmelskunde und Statistik aus den Lehrplänen gestrichen. An die Stelle des dürren Moral­unterrichts trat ein allgemeiner Religionsunterricht (bibl. Geschichte), während der spezielle Konfessionsunterricht den Geistlichen überlassen blieb. Der Unterricht in der vaterländischen Geographie und Geschichte mußte vertieft und erweitert und letztere Disziplin durch Mitteilung von patriotischen Taten belebt werden.

Dem von dem Monarchen ausgesprochenen Wunsch, daß ein um­fassendes, allgemeines Schulbuch, das sowohl in Soldaten- als auch in Bürgerschulen mit Erfolg benutzt werden könnte, wurde mehrfach entsprochen. Eine Reihe von Schulbüchern, die dem Prinzip Rechnung trugen, darunter einige, die von Berliner Schulmännern verfaßt waren, erschienen und wurden dem Könige übersandt. Keines fand seine An­erkennung, auch nicht das von dem Altmeister Friedrich Eberhard von Rocliow verfaßte, und sein Befehl, es möchte aus den vorhandenen Arbeiten ein brauchbares Buch vom Oberschulkollegium und Feld­propst Kletschke zusammengestellt werden, ist nicht ausgeführt worden.

Die Friedensjahre bis 1806 waren der weiteren Ausgestaltung der Regimentsschulen äußerst günstig. Die soziale Not in den Soldaten­familien, die stets hemmend gewirkt hatte, schwand dank der getroffenen Einrichtungen: Kinderverpflegungsgelder, Erhöhung des Soldes der Unter- * Offiziere aus den Einnahmen des Impostes, freie Unterrichtsmittel, Ver­dienst der Kinder in der Industrieschule, und die Gratifikationen, die Lehrer und Feldprediger aus den Zinsen der sehr bedeutenden Schul­kapitalien der Regimenter erhielten, trugen ebenfalls dazu bei, ihre Arbeitsfreudigkeit zu erhöhen und die Erfolge des Unterrichts zu steigern. Die Berliner Regimentsschulen standen auf der Höhe der Zeit; ihre Leistungen - gingen über die der Elementarschulen hinaus. Sie waren gute Bürgerschulen, die jeden Vergleich mit ihren Schwester­anstalten, den Zivilschulen, aushielten.

Die folgende Tabelle mag ein Bild von den Schulen der Berliner Re­gimenter 1 ) im Jahre 1806 geben.

') Das Regiment Nr. 46 war 1793 nach Thorn, 1795 nach Warschau, das 2. Artillerieregiment 1789 nach Breslau und das 4. 1796 nach Königsberg i. Pr. verlegt worden. Jedes Regiment mit Ausnahme von No. 1 und 26 besaß eine Industrieschule, Viele Soldatenkinder besuchten Parochialschulen und die seit 1793 bestehenden Er­werbschulen.