Beiträge zum Berliner Schulwesen.
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Jedes Regiment, mit Ausnahme von 1. und 23., hatte eine Industrieschule. Viele Soldatenkinder besuchten auf Kosten des Regiments oder ihrer Eltern Parochialsclmlen. Die Kinder der beiden Eskadron Garde du Corps (Kürassierregiment Nr. 13.) waren der Schule des Regiments Gensdarmes und die der reitenden Artillerie den Schulen des 1. und 3. Artillerieregiments überwiesen. Die Kinder der Pontoniers und der nicht regimentierten Soldaten gehörten zur Garnisonschule. —
Infolge der unglücklichen Schlachten von Jena und Auerstädt brach die preußische Armee zusammen. Die meisten Regimenter lösten sich auf, und von diesem Geschick wurden auch sämtliche in Berlin garnisonierenden Regimenter betroffen. Nur die Reste des stolzen Kiirassierregiments Gensdarmes schlugen sich, tapfer kämpfend, nach Preußen durch und bildeten später den Stamm für das neu errichtete Kürassierregiment Nr. (1.
Es waren traurige Zeiten für König und Volk und für Soldaten. Am traurigsten waren die eintretenden Verhältnisse für die armen Soldatenfamilien. War schon das Leben in den Friedenszeiten für sie an Entbehrungen reich gewesen, so gestaltete sich jetzt ihre Lage zu einem grenzenlosen Elend, das mit der eintreteuden Landesnot stetig wuchs. Aber auch in diesen Zeiten zeigte sich der Wohltätigkeitssinn der Berliner, der während des siebenjährigen Krieges soviel Not und Elend in den Soldatenfamilien gelindert hatte, im schönsten Lichte. Das Sprichwort „daß das Unglück die Menschen näher zusammenführt,“ bewahrheitete sich auch jetzt. Die Zeiten (Friedrich Wilhelms L), in denen sich Bürger und Soldat feindlich gegenüberstanden, waren seit Jahrzehnten vorüber. Der menschenfreundliche Sinn der meisten Berliner Regimentschefs und Offiziere, besonders des Gouverneurs, Feldmarschalls von Möllendorff, und der philanthropische Geist, der in den meisten Bürgerkreisen der herrschende war, hatten die Gegensätze gemildert und aufgehoben. Man hatte Mitleid mit dem unglücklichen Los der armen und verlassenen Soldatenfrauen und Kinder, deren Männer und Väter tot, verwundet, krank, gefangen und zersprengt waren, und die hungernd und frierend in den Häusern und auf den Straßen bettelten. Was private und öffentliche Wohltätigkeit zu leisten imstande war, das ist in jenen Tagen geschehen. 1 ) Eine Reihe von Veranstaltungen wurden getroffen, um den Soldatenfrauen und Kindern Arbeit und Verdienst zu schaffen, sie vor dem moralischen Untergang zu bewahren. Noch heute bestehen Stiftungen (Friedrichs- und Luisenstift), die zu ihrem Besten gemacht wurden.
Während die meisten Schulen der aufgelösten Regimenter eingingen, blieben die Berliner Regimentsscliulen bestehen, und dies verdanken sie
‘) Man vergleiche die Aufrufe in den Jahrgängen 1806, 07, 08 der Vossischen Zeitung; in allen Ständen zeigte sich AVohltätigkeit zu Gunsten der Soldatenkinder,
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