Heft 
(1908) 17
Seite
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Beiträge zum Berliner Schulwesen.

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rieht der Kinder abgelegt wurden, von der vielen Mühe und Sorgfalt, die der Herr Prediger Mörschel auf die Verbesserung dieser Schule verwendet. Nun wurden von den Kindern auch Proben des Fleißes im Rechnen auf der Tafel, die Mädchen im Kechnen in Gedanken geprüit. Aus was für Ursachen man die Übung, in Gedanken zu rechnen, nicht auch bei den Knaben anwendet, sehe ich nicht ein, da doch diese ebensowohl als jene oft in die Lage kommen können, wo ihnen dies sehr zustatten kommen würde.

Indessen hatten auch die Knaben eine große Fertigkeit, auf der Tafel zu rechnen. Hoch noch größere Fertigkeit im Kechnen hatten diejenigen Kinder, die nachher auftraten, denen von den Anwesenden einige Fragen vorgelegt wurden, deren Beantwortung gewiß schon eine große Übung im Kechnen voraussetzte und die doch von ihnen ohne Fehler beantwortet wurden. Einige von den Knaben mußten indessen auf ihren Tafeln kleine Briefe und andere Aufsätze machen und sie nachher vorlesen, welches für eine Garnisonschule etwas außerordentliches ist. Nun wurden auch einige Proben von Unterricht in der Naturgeschichte gegeben, der ebenfalls sehr faßlich war, und worin die Kinder schon sehr viele Kenntnisse verriethen. Nur deuchte mir, macht man die Kinder mit Sachen bekannt, deren Kenntniß ihnen zu nichts hilft, statt daß man sie mit reelleren Gegenständen beschäf­tigen konnte. So z. B. wußten die Kinder so vielerlei Arten von Plianzeu, Steinen etc. herzunennen, welches ihnen zu nichts nutzt. Aber die Methode, wie ihnen alle diese Kerntnisse beigebracht wurden, ist vortrefflich. Der nun folgende Keligionsunterricht war ebenfalls sehr gut und iür den Ver­stand der Kinder sehr faßlich. Der Lehrer fing mit der einen Frage nach der Ursache unserer Bestimmung an, kam sodann auf die Wohlthaten, die uns Gott genießen läßt, und auf die Art, wie wir Gott gefällig werden müssen, und endlich auf die Fortdauer nach dem Tode und zukünftige Belohnung und Bestrafung. Darauf mußten zwei von den Knaben auftreten und einige von Gleims Kriegsliedern deklamieren, die hernach von allen Kindern ge­sungen und mit Instrumentalmusik begleitet wurden. Die Deklamation der Knaben war sehr gut, wenigstens nach dem, was man von einem solchen Knaben erwarten kann. Die ganze Prüfung wurde damit beschlossen, daß die Mädchen und die Knaben aus der ersten Klasse zensiert wurden, wobei, wie Herr Feldprediger Mörschel versicherte, die strengste Unparteilichkeit herrschte. Endlich wurden noch diejenigen, die sich besonders durch Fleiß und Aufführung ausgezeichnet hatten, beschenkt.

Urkunde 5.

(Das Original findet sich in dem Archiv der Garnisonkirche.)

Reglement, welches von Sr. Exellenz dem Herrn Generallieutnant von Meerkatz bei Etablierung der Industrieschule des 1. Artillerieregi­ments der Kommission dev Lehranstalt mitgeteilt wurde.

Der Lehrerin wird nächst einer freien Wohnung 5 Thl. monatlich Gehalt ausgesetzt, und muß solche des Montags, Dienstags, Donnerstags und Freitags Nachmittag im Winter von 1 4 Uhr und im Sommer 15 Uhr ihre Lehr­stunde halten.