Heft 
(1908) 17
Seite
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Il

9. (7. außerordentliche) Versammlung des XVII. Vereinsjahres. 419

eine Pfeilerbrücke; denn plumpe Dämme entstellen oder zerstören das Landsckaftsbild, wie bekannte Beispiele beweisen (Damm der Döberitzer Heerstraße im Stößensee, Eiseubalmdamm bei Lychen usw.), und einer hohen Bogenbrüeke ein einfacher Bau mit niedrigem Geländer, der im Landschaftsbilde sich etwas weniger breit macht als die neue Glienicker Brücke bei Potsdam.

Auf dem hohen Uferrande zwischen Niederkränig und Niedersaatheu wunderten die Mitglieder zu den schönsten Aussichtspunkten, zum Schirm und zur Bastei. Vom Schirm aus blickt man westwärts über die Oder fort, ostwärts aber in eine vorgelagerte tiefe Schlucht, dasTal der Liebe, so genannt von einem früheren Besitzer des Geländes, einem Herrn von Huinbert, der dort um 1840 Parkanlagen herstellen ließ, um seiner jungen Frau damit eine Freude zu bereiten. Im Grunde befindet sich eine Fasanerie und ein Goldfischteich. Auf dem Rückwege machte Herr Sanitätsrat Lobeck darauf aufmerksam, daß hier noch der krasseste Volksaberglaube in Blüte stehe. In der Nähe vom Waldkater erscheint zuweilen der Reiter ohne Kopf; Pferde bleiben plötzlich stehen und manche Menschen sehen dort des Nachts einen Angehörigen, dessen Ab­leben bevorsteht, im Sarge liegen.

In Schwedt wurde zum Schluß demSanatorium ein kurzer Be­such abgestattet. Die hölzerne Terrasse desselben, die einen schönen Blick über das Odertal gewährt, stammt aus Berlin und zw r ar aus dem ehemaligen Helmschen Restaurant an der Schloßfreiheit. 0. Monke.

Herr Tabaksfabrikbesitzer Fr. Hartmann in Schwedt, welcher an dem Brandenburgs-Ausflug teilnahm, erläuterte auf dem Felde die rechts und links zwischen der Stadt und dem Monplaisir-Park sich hinziehenden Tabakskulturen und berichtete darüber folgendes:

Durch französische Refugies gelangte der Tabakbau 1686 nach der Mark Brandenburg und zwar in der Hauptsache nach Schwedt und Vierraden; 1691 wurden bereits von einem Hamburger Kaufmann 1400 Zentner Märker Tabak angekauft, später nahmen sich auch Stettiner und Magdeburger Kaufleute dieses Handelsartikels an und 1750 etablierten sich die ersten Rohtabakkaufleute in Schwedt.

Der Tabakbau ist ein recht mühsames Geschäft. Die Samen­körnchen, welche die Produzenten im März in einem feuchten Beutel in ihr Bett gelegt und so zum Keimen gebracht haben, werden Ende März in die Mistbeete gelegt. Sind die Pflänzchen ungefähr 4 Zoll hoch, werden sie auf die Felder ausgepflanzt. Hier werden sie häufig behackt und sobald die Blüte ansetzt, geköpft, d. b., die Blüte ward aus der Staude gebrochen, damit die ganze Kraft der Pflanze in die Blätter geht. Ende August, Anfang September wird der Tabak geblattet, d. h. die oberen Blätter werden von der Pflanze abgebrochen; auch das Sandblatt und die Grumpen (das sind die auf der Erde liegenden Blättchen)