Heft 
(1908) 17
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D. (7. außerordentliche) Versammlung des XVII. Vereinsjahres.

linie auf. Ein angeblich echter van Dyck, den h. Sebastian vorstellend, wird auf eiue Viertel Million Mark eingeschätzt. Von den Erzeugnissen des Kunsthandwerks, die als solche bemerkenswert sind, verdienen die in Gips gestochenen Deckenverzierungen genannt zu werden. Die Schloß- kapelle fällt durch ihre vorzügliche natürliche Belichtung (Oberlicht) angenehm auf. Im Schloßgarten ist eine kunstvolle Sonnenuhr aufge­stellt. Den Hauptreiz des Gartens bildet jedoch der Ausblick auf den imposanten 300 m breiten Oderstrom, dem das Schloß die Südfront zu­wendet.

Nach Besichtigung des Schlosses bestiegen die Teilnehmer die in der Nähe des Oderbruchs bereitsteheuden Wagen und fuhren über Nieder- kräuig bis zum Waldkater, um von hier aus zu Fuß den der Oder parallel laufenden Höheuzug am rechten Ufer zu ersteigen. Die hölzerne Oderbrücke, das dritte Wahrzeichen der Stadt, stammt aus den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Vordem vermittelte eine Fähre den Verkehr mit der Neumark, nachdem die alte Brücke im Jahre 1806 niedergebrannt worden war. Wenndas Städtlein Schwett vorzeiten die Landeskron genannt worden (Angelus, Annales Marchiae Brand.) und noch heut als die Perle der märkischen Städte bezeichnet werden darf, so verdankt es diesen Ehrennamen nicht zuletzt seiner reizvollen Lage am gewaltigsten märkischen Strom, der, den Osten vom Süden trennend, Süd und Nord verbindend, hier zwischen lieblichen Ufern dahinrauscht. Wie man auch den Standpunkt an oder auf der Brücke wählen mag, überall schweift der Blick über eine mächtige Wasserfläche, welche durch die jetzige, bescheiden zurücktretende Brücke zwar gegliedert aber nicht zertrennt wird, von der Stadtseite aus bis zu den prächtigen Höhen bei Niederkräuig und bis an die Waldungen der Neumark in blauer Ferne. Von drüben her blickt man dagegen auf das malerische Stadtbild mit seinem Markgrafenschlosse, mit dem großen Fachwerk­speicher zur Rechten der Brücke und der in Grün getauchten westlichen Vorstadt von Schwedt. Im Süden tritt die Mündung des Großschiftährts- kanals hervor, und im Norden begrenzt das liebliche Bild von Nipper­wiese den Blick. Das wird nun anders werden; die alte Brücke soll der Oderregulierung zum Opfer fallen. Der jetzige Hauptarm der Oder wird Kanal und der östlichste der Oderarme, die Miglitz bei Nieder- kränig, zum Hauptstrom vertieft werden. Die bestehende Holzbrücke ist A 7,40 m breit und 273,30 m lang; sie hat IG Öffnungen, mit zu­sammen IGO m Durchlaß weite und für größere Dampfer eine an der Stadtseite gelegene mit einem Aufzug versehene Durchfahrt von 10,50 m Breite. Dafür sollen Oderdämme in den Strom hineingebaut werden, deren Höhe die der Holzbrücke um 2 ui übertreffen und die den Strom bis auf 60 m einschnüren. Den Zwischenraum will man mit einer festen Eisenbrücke überspannen. Dein Damm vorzuziehen wäre freilich