Was bedeutet der Name „Berlin“ ?
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Was bedeutet der Name „Berlin“?
Von Dr. Grabow.
Zahlreich sind die Versuche, den Namen der Reichshauptstadt zu deuten, aber „trotz alles Forschens und Griibelns ist ein allgemein befriedigendes und anerkanntes Ergebnis nicht gewonnen worden“ (Schwebel, Gesell, d. Stadt Berlin). Faßte man den Namen als aus dem Deutschen stammend auf, so konnte die Endsilbe „lin“ nur der heutigen Verkleinerungssilbe „lein“ entsprechen, und dann konnte für die erste Silbe zunächst das Wort „Bär“ in Betracht kommen. Viele Berliner glauben heute noch, daß die Stadt von dem Markgrafen Albrecht dem Bären gegründet und nach ihm benannt worden sei, bedenken aber nicht, daß Albrecht der Bär, der i. J. 1170 starb, gar nicht in der Lage war, über den Grund und Boden, auf dem die Stadt liegt, zu verfügen, da die Lande Barnim und Teltow, die ganze Umgebung Berlins, erst unter seinen dritten Nachfolgern, den Markgrafen Johann I. und Otto III. von dem Herzog Borwin von Pommern an die Askanischen Fürsten verkauft worden ist. Auch spricht das heutige Stadtwappen, der Bär, nicht für den Zusammenhang des Namens Berlin mit dem Bären, denn das älteste Stadtwappeu von Berlin war der Adler. Auch kann man eine Stadt wohl Bern(Bären-)burg, Bernstadt, Berndorf nennen, aber sie doch nicht mit einem kleinen Bären vergleichen. Außerdem müßte der Name den Ton auf der ersten Silbe haben: Bärlein; Berlin aber hat den Ton auf der letzten Silbe.
Ebenso .unhaltbar ist die Ableitung von Beere, wonach Berlin eine kleine Beere bedeuten sollte!! — Auch hiergegen spricht die Betonung.
Dasselbe gilt von dem Zusammenhang des Namens mit Perle: eine kleine Perle hieße nicht Perlein oder Perliu, Berlin, sondern müßte Perlelein lauten und müßte ebenfalls den Ton auf der ersten, nicht auf der letzten Silbe haben.
Mit der Ableitung aus dem Deutschen ist es also nichts; es kann nur eine außerdeutsche Sprache in Betracht kommen. Versuchen wir’s mit dem Keltischen, aus dem wegen der Wandelbarkeit seiner Konsonanten und Vokale manche Sprachforscher diejenigen Städte- und Flußnamen abzuleiten versucht haben, die man in anderen Sprachen nur schwer oder gar nicht unterbringen konnte. So will Mahn den Namen Berlin vom kelt. berle = Brachfeld, oder von por llüyn = Weidewald, Weidehain ableiten. Andere Spracbgelehrte bringen es mit biorlinn oder birlin = Fähre, oder mit bairlinn = Damm zusammen. Gegen alle diese Deutungsversuche spricht die Tatsache, daß man von dem Aufenthalt irgend eines keltischen Stammes in der Mark nichts weiß. Die