Heft 
(1908) 17
Seite
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Kleine Mitteilungen.

da derselbe unter dem Niveau des Straßenpflasters tief liegt, so nannten ihn wohl die Besitzer und später auch die Ortseinwohner denunterirdischen Gang 11 . Auch Sternbeck (Beiträge zur Geschichte der Stadt Strausberg, 1878) erwähnt diesen Gang. Nach ihm soll er nach der Kirche führen. Jedenfalls ist die Geschichte des Hauses Markt 1 noch in Dunkel gehüllt. Fest steht, daß um 1540 ein Mitglied der reichen Strausberger Patrizierfamilie Lindholtz, nämlich der regierende Bürgermeister, Benediktus Lindholtz, Besitzer dieses Hauses war.

Das dritte Haus mit dem angeblich unterirdischen Gang ist Große Straße 18 (Brauerei Froitzheim). Hier ist von einem Gange in Wirklichkeit keine Spur zu entdecken. Interessant sind die geräumigen Kellerrüunie; es sind die größten Tonnengewölbe der Stadt; interessant sind auch die im unteren Stock vorhandenen Spitzbogengewölbe in 4 Abteilungen, die im Fiedlerschcn Laden zu sehen sind; auch sie stehen einzig in der Stadt da. Aber trotz alledem ist das Haus nicht so alt wie gewöhnlich angenommen wird. Es ist 1708 von dem damaligen Besitzer, Pfarrer Kampe aus Gielsdorf erbaut. In dem noch vorhandenen Protokoll, das der Blirgemieister-Adjunktus Pape bei Besichtigung des neuen Gebäudes zweks Erlangung staatlicher Bauhilfsgelder aufgenommen, wird u. a. gesagt, daß der Bau von Grund auf neu erfolgt sei und 128 Stück kiefern Bauholz, 8 Schwelleichen, 17000 Mauer­steine, 0000 Dachsteine, 16 Tonnen Kalk verwendet worden seien und der Bau 504 Thlr., 9 Gr. 8 Pfg. gekostet habe.

Endlich bleibt übrig hinzuweisen auf den unterirdischen Gang vom Bläsingschen Hause aus, Große Straße 12. Das Kellergewölbe ist hier ein Kreuzgewölbe aus großformatigen Backsteinen. Aus diesem führt ein spitz- bogiges Gewölbe in einenGang, der weiterhin (nach Süden! vermauert ist. Ob hinter der Vermauerung der Gang weiter fühlt, kann heute weder bejaht, noch verneint werden, da diese nicht geöffnet wurde. Erwähnt sei nur, daß die Gasse an dem Bläsingschen Hause, von der Großen Straße nach der Kitterstraße führend, auf den Cistercienser Hof der Kagel-Zimmer Mönche führte. Hier wohnte der Klostervogt, ein Cisterciensermönch, der den Vertrieb der Kalksteine des Küdersdorfer Kalksteinbruches unter sich hatte. Auch nach der Säkularisation von Zinna (mit Kagel-ltUdersdorf) verblieb das nunmehrigekurfürstliche Bergamt Rüdersdorf bis 1578 in Strausberg. Vielleicht liegt in diesen historischen Tatsachen der Kern zu der Behauptung von diesem unterirdischen Gang.

Es ergibt sich somit, daß von den angeblichen unterirdischen Gängen Strausbergs bis jetzt auch nicht ein einziger als vorhanden festgestellt werden konnte; doch scheint an allen 4 Stellen eine lokalhistorische Tatsache die Ver­mutung von weiterführenden unterirdischen Gängen hervorgerufen zu haben. (Vergleiche auch Strausberger Zeitung vom 2. Oktober 1906.)

Krähen und Pferdehufe. Der Bauer Netzker und der Förster Lanschke galten ihrer Zeit als die größten Zauberer im Obersjrreewald. Lanschkewar der Fürst der Zauberer. Netzker wohnte hinterm Schloßberg zu Burg; sein Haus hat man mir noch gezeigt. Mal waren Netzker und Lanschke in der