Kleine Mitteilungen.
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hinter diesem Wandteil sich ein Gang befinden müsse, denn wozu der Wölbebogen? Die bausachverständige Besichtigung aber ergab mit Gewißheit, daß die Vermutung irrig war, denn hinter dem mühevoll durchstemmten Mauerwerk ist weder ein Gang, noch Schutt, noch Füllboden, sondern gewachsener Sand mit blauen, horizontalen Tonschichten vermischt, vorhanden. Der Spaten gab beim Hineinstechen ein schneidendes Geräusch, so fest gewachsen ist der Boden. Kühnlein erklärt das Vorhandensein des Wölbebogens mit der Möglichkeit, daß eine schlechte Stelle des Baugrundes über- brückt werden sollte, wie solches auch heutzutage geschieht. So ist denn der unterirdische Gang im Hause Große Straße 45 zur Mythe geworden, nur der geheimnisvolle Vorraum verdient die Bezeichnung „unterirdisches Verließ“. Hohe rundbogige Kellergewölbe aus mittelgroßen, unbehauenen Feldsteinen aufgeführt, hat z. B. das Schloß Cossenblatt bei Fürstenwalde, die aus der Zeit um 1500 stammen sollen.
Im Hause Am Markt Nr. 1 wurde der Blick der Beschauer zunächst an das bedeutsame Netzgewölbe der Altdeutschen Trinkstube gefesselt. Solche aus der „Flabbe“ d. h. aus freier Hand ohne Lehngerüst gewölbten Grate erklärte Kühnlein für sehr alt. Der Abstieg zum Kellergeschoß erfolgte mittels einer steilen Treppe, 3,10 m unter Bürgersteigpflaster. Einige kleine und ein großer 7,00 und 4,75 in geräumiger, tonnenüberwölbter Keller sind zu durchschreiten, ehe man in den fetzten Kellerraum durch eine schmale Wandöffnung gelangt. Die Wand hat die bedeutende Stärke von 1,80 m. Sie scheint aber einen Hohlraum in sich zu bergen, denn ein solcher konnte durch Beklopfen mit ziemlicher Sicherheit vermutet werden. Abweichend von den übrigen Kellern ist jener letzte (4.) Keller mit einem flachen preußischen Kappengewölbe überdeckt — eine Konstruktion neuerer Zeiten. Auffallend war sofort das an den beiden dem Nachbar und der Kirchgasse zu gerichteten Giebelwänden befindliche, in halber unterer Höhe hergestellte neuere Mauerwerk von kleinformatigen Ziegelsteinen in Portlandzement. Darüber Zementputz. Dieses gegen die Umgebung abstechende Mauerwerk mit Putz mag in den letzten Jahrzehnten zu der Annahme geführt haben, daß hinter demselben Gänge seien, die nur vermauert sind. In Kopfhöhe ist die alte Feldsteingiebehvand schon früher von anderer Hand durchbrochen worden, aber einen Gang hatte man nicht gefunden. Die Untersuchung ergab, daß das betreffende neuere, etwa seit 50 Jahren eingeführte Mauerwerk keine Verblendung oder bloße Vermauerung einer Höhlung, sondern eine l'/ a Stein starke sogen. Unterfahrung alter Fundamente ist, denn nachdem in beiden Wänden je eine Öffnung mühevoll freigestemmt worden w'ar, fand sich an der südlichen kurzen (Nachbarseite) Wand gewachsener Boden und auch das neuere Ziegelmauerwerk steht auf solchem. Hinter der langen westwärts gerichteten Giebelwand befindet sich nur der schwärzliche Erduntergrund der Kirchgasse. Architekt Kühnlein resummiert: Der betreffende Kellerraum ist erst vor etwa 50 Jahren durch Unterfahren der alten, nur l 1 /, in tiefen Feldsteinfundamente zu einem Aufbewahrungsraum geschaffen worden. Der letztere hat nur 1,25 m Breite, aber 5 ni Länge bei 3,20 m Höhe des Pflasters unter der Erdoberfläche. Seine schmale Gestalt, dunkel und ohne äußere Luftzuführung kann mit Recht Gang genannt werden, und