Heft 
(1908) 17
Seite
450
Einzelbild herunterladen

450

Kleine Mitteilungen.

Die eingangs erwähntenKatakomben Strausbergs haben schon öfter Wiltbegierige zur Besichtigung und Untersuchung angelockt, neuerdings am 9. September auch Mitglieder derBrandenburgia (Gesellschaft für Heimat­kunde). Bei diesem nur flüchtigen Besuch wurde eine genauere wissenschaft­liche Untersuchung angeregt. Der Berliner Architekt Kühnlein, Mitglied der Pflegschaft des Märkischen Provinzial-Museums, bekannt durch seine Glocken­untersuchungen, erklärte sich dazu bereit. Die Untersuchung fand am 27. September statt. Zunächst ging es in die Tiefen des Hauses Große Str. 45 (Conrad Schultz). Mit den nötigen Instrumenten und Werkzeugen ausgerüstet ging der schon bei den Glockenuntersuchungen Kühnleins bewährte Gehilfe Fritz Drügert ans Werk.

Große Straße 45 ist eine alte Braustelle, die um 1600 der Strausberger Pfarrer und Inspektor (-Superintendent) Dräger besaß; 16381658 hatte sie der Strausberger Pfarrer und Inspektor Lüdicke inne, von 1658 bis 1695 dessen Sohn, der Organist, später Bürgermeister, in Strausberg war. 1704 wurde das jetzige Haus von einem Martin Lüdicke erbaut, welcher dasselbe noch 1720 in Besitz hatte. 172347 wird ein Simon Bajetzky und 175267 ein Gottfried Brunzlow als Eigentümer genannt; 1789 besaß es Chr. Fr. Kurtzc.

Wenn hiernach der Oberbau nicht älter als 200 Jahre ist, so steht doch durch die fachmännische Untersuchung Kühnleins vom 27. September 1906 fest, daß der Unterbau, d. h. die Fundamente und ein Teil des Keller­geschosses aus noch älterer Zeit herrühren. Wir lassen nun den Befund der eigentlichen Ganguntersuchungen folgen.

Nachdem 19 Stufen in verschiedenen Lauf-Windungen abgestiegen waren, wurde die Tiefe auf 3,20 m unter Bürgersteighöhe erreicht. Die lichte Höhe des dem zu untersuchenden Gange vorgelagerten Kellers, welcher mit einem überhöhten Tonnengewölbe überspannt ist, beträgt 2,50 m. Die Wände sind unterhalb durchweg in unbehauenen Feldsteinen, oberhalb teils in Feld- teils in großformatigen Ziegelsteinen, deren Abmessungen 28 x 16 x 9 cm hergestellt worden. Von diesem geräumigen, von dem kleinen Fensterloch links neben der Durchfahrt her äußerst spärlich belüfteten, dunkelen Keller­raum führt eine ganz kleine Öffnung, in welche der Besitzer Conrad Schultz vier gemauerte Stufen hat einbringen lassen, in einen etwa 0,90 m tiefer gelegenen, vollständig dunklen Vierecksraum von nur 1,30x1,65 m Länge und Breite. Es war nur möglich, in diesen mit einem spitzbogigen, sogen. Muldengewölbe überdeckten Kaum rückwärts kriechend zu gelangen, denn die Zugangsöffnung ist schmal und nur 1,10 m hoch. Die Wände und das Gewölbe bestehen nur aus Granitündlingen und gerade die Einwölbung der Decke in solchen Steinen weist auf ein hohes Alter des Baues zurück, auch gibt es dem Willen des einstigen Erbauers dahin Ausdruck, daß er sich hier einen bomben- und feuersicheren Kaum für unterzubringende Schätze schaffen wollte. Das Pflaster dieses Raumes liegt etwa 4,10 m unter Durchfahrtssohle, die Öffnung befindet sich in einer 1,05 m dicken Feldsteinwand. Nachdem der Kaum durch Acetylen- und durch elektrisches Licht hell gemacht war, entdeckten die Beschauer einen gewölbten Bogen in der nach Westen gerichteten Wand. Unterhalb war aber keine Öffnung, sondern volles Mauerwerk. Dieser Umstand führte wohl von jeher zu der Vermutung, daß