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Kleine Mitteilungen.
dann auf einen Baum, die junge Krähe flog auf, und dann auch die alte fort. Diese war wohl auch ganz versunken in den Anblick gewesen, denn sie schien uns nicht zu sehen und blieb ruhig sitzen, ohne zu schreien.
W. v. Schulenburg.
Mulm, Olm. In der Brandenburgia 1908, 233 hat Herr Geheimrat Friedei die Worte mulmig und Mulm besprochen. Mulmig, auch ino ^c h. ve rmo lscht, mors ch. in der Lausitz fgjLgh, d. h. faüh ist auch in anderen Teilen der Mark bekannt. Einen mtiJJJLigen, mu lmi gen Baumstubben nennt man in der Neumark Q]m. Mulmiges Holz von Weiden, Pappeln, Birken soll leuchten. Ich selbst habe einmal zerschlagenes Pappelholz vom Wurzelstubben in bläulichem Schimmer in der Dunkelheit so leuchten sehen, daß ich gedruckte Schrift dabei erkennen konnte, ebenso trieben Stücke davon, von mir ins Wasser geworfen, leuchtend weiter. Solch leuchtendes Holz, in Ostpreußen Mäuschenfeuer genannt, weil es den Mäusen leuchtet, mag öfter als Schatzfeuer angesehen worden sein, zumal auch dieses bläulich leuchtet. So erzählte mir einst ein achtzigjähriger Landmann im Stern- bergschen: „Mein Vater und Großvater kamen mit einer Fuhre Heu nachts aus dem Warthebru ch gefahren durch den Wald. Es war finster. Nicht weit von zuhause sahen sie seitwärts vom Wege ein Feuer glusen und sagten: „Da brennt ein Schatz“, denn das Gold kommt nachts aus der Erde und leuchtet. Sie gingen drauf zu. Sie sahen ein wirkliches Feuer, das glühte. Mein Vater nahm den Feuerstahl aus der Tasche, schlich sich vorsichtig heran und warf den Stahl in die Flamme. Dann fuhren sie still nach Hause und sagten kein Wort davon. Am andern Morgen konnte mein Vater nicht die Zeit ab warten. Wie es licht wurde, ging er hin, aber fand nichts als einen berkenen, vers toc kten Olm und seinen Stahl.“
— W. v. Schulenburg.
Veranlaßt durch Lesen von Juniheft Nr. 3 S. 98 u. f. erlaube mir nachstehende Ergänzungsmitteilung.
Johanna Stegen hatte bei Ausübung ihrer Heldentat eine kleine vierzehnjährige Gehilfin Namens „Dorothea Elisabeth Salznau“, Arbeitertochter, Halbwaise in Lüneburg. Dieses Kind, mit Joh. St. bekannt, war mit derselben am Gefechtstage den ausrückenden Soldaten aus Neugier nachgelaufen und wurde in sehr natürlich begreiflicher Weise von Johanna veranlaßt, beim Zubringen von Munition, Wasser und Eßwaren an die in Feld und Buschwerk verteilt liegenden Jäger behülflich zu sein. Das Hin- und Herrennen dieser Kleinen erwies sich um so vorteilhafter, als die Franzosen auf solch ein Kind zu achten weit weniger Veranlassung nahmen als auf die Bewegungen der erwachsenen und jedesmal schwerer beladenen Persönlichkeit von Johanna. Auch konnte das kleine beinfixe Mädchen sich leichter versteckt zu den lagernden Jägern heranschleichen. Hernach in der Zeit des gefeierten Sieges und der späteren Verfolgung ging es zu, wie gewöhnlich der Fall: man hielt sich an die Größe und vergaß das Kleine!
Dorothea Elisabeth Salznau kam ungefähr drei Jahre nach ihrem Heldenstücklein, das ihr Abends jenes Tages nichts weiter als eine tüchtige