Heft 
(1908) 17
Seite
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Kleine Mitteilungen.

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Tracht Prügel von seiten ihrer Angehörigen einbrachte, als Kindermädchen nach Hamburg. Hier wurde sie auf dem Tanzboden nach Mädchenart mit einem Hafenarbeiter Sommer aus Seedorf bei Lenzen a. Elbe bekannt und zog als Frau Sommer in dessen Heimatort ein. AlsWitwe Sommer lernte ich sie im Jahre 1875 in Seedorf kennen, habe sie dort zur letzten Ruhe auf dem Kirchhof begleitet. Sowohl sie selbst wie andereAlte haben mir wiederholt von der Johanna-Stcgen-Geschichte erzählt, ohne daß jemals einer davon viel Aufhebens gemacht hat. Nurdets Schlag tervor kreen häd, wos de Johannen loweten, was nich good, sprach man stets kopfschüttelnd.

Auch mich dünkts geziemend, von Johanna Stegens Ruhmesglanz her einen Lichtstrahl auf die kleine lange vergessene Lüneburger-Westprignitzerin zu lenken. E. Ilandtmann.

Nicht die Bohne! Verschiedene volkstümliche Redewendungen in unserer Heimat sind sonderbarerweise mitBohne zusammengesetzt, die mit dem bekannten Genußmittel nichts zu schaffen hat, trotzdem der Ver­gessenheit entrissen zu werden verdient.Nicht die Bohne merken oder nicht die Bohne Verständnis haben u. a. m. sind in Berlin spracbgebräuchlieh, wobeiBohne die Bedeutung von Spur oder Merkmal hat. Es führt dies auf ein altes, vulgäres WortBohne zurück, welches in der Roßtäuscher­sprache, im Pferdehandel durch die technischen AusdrückeKern, Spur, Kenne, Grube, Kunde, Kennung umschrieben wird.

Ehedem fand das Pferd im Wirtschaftsleben unserer Vorfahren eine weit höhere "Wertung und Bedeutung, welche jetzt im Zeitalter der Motore rückständig anmutet, würde man z. B. seinen Reichtum nach der Anzahl der Pferde taxieren, einen Reitertrupp nach Pferden zählen, seinen Rang und seine Vornehmheit durch die Berechtigung bekunden, nur mit Vieren lang zu fahren. Der Wert des einzelnen Pferdes richtete sich nach seinem jeweiligen Alter und dessen Beurteilung von menschlicher Aussage unab­hängig zu machen, führte auf das untrügliche Kennzeichen, auf die Zähne der Tiere, die dazu ein altes Zahlensymbol enthalten. Zwölf Backenzähne soll das Tier mit auf die Welt bringen, dazu die innerhalb des ersten halben Jahres hervorkommenden zwölf Schneidezähne oder Federn, die zusammen den Namen Fohlen-, Füllen- oder Milchzähne führen. Im neunten bis zwölften Monat brechen vier weitere Backenzähne hervor, im zweiten bis dritten Jahr an jeder Kinnladenseite der fünfte Backenzahn, im vierten Lebensjahr der sechste Backenzahn und diese Backenzähne sind im Gegensatz zu den schichtenden d. i. abschiebenden Milchzähnen bleibende. Mit dem zweiten Lebensjahre fallen bereits die Milchbackenzähne, im dritten Jahre die Vorderschneidezähne (Zangen- oder Federn), im vierten Jahre die vier Mittelschneidezähne und die vier zweiten Backenzähne, im fünften Jahre die Eckschneidezähne (Haken) und die dritten Milchbackenzähne aus und werden durch die Roß- oder Pferdezähne ersetzt. Das Pferd hat nun seine vierzig Zähne, es hat abgezahnt zum Zeichen, daß seine körperliche Reife beendet ist. Von diesem Zeitpunkte ab, da das Pferd in sein bestes Alter tritt, sieht der Beurteiler desselben nur nach denBohnen oder Gruben, Kunden usw., das sind in den Zähnen linsengroße, schwarzbraune Höhlungen auf der