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Kleine Mitteilungen.
Schneide der Zähne. Diese Bohnen gelten als die untrüglichen Wertmesser für das ausgewachsene Pferd und merkwürdig, die Löcher in den Zähnen sind hier ein Zeichen der Blüte, während bei den Menschen und anderen Tieren sie im Gegensatz als Zeichen der Vergänglichkeit und des Verfalls gelten. Die Zahnhöhlungen oder Bohnen bei Pferden reichen bis über ein Drittel der Zahnkrone hinab, sich nach unten trichterförmig verjüngend, durch Beste von Futter oder Unreinlichkeiten schmutzigbraun gefärbt Durch die mahlenden Kinnladenbewegungen des Kauens bei den Pferden schleifen sich diese Bohnen mit größter Kegelmäßigkeit ab, weil sie sich weder vertiefen noch nachwachsen und deshalb verwischen sie sich auch in der Schichtungsreihenfolge. Ini Alter von G Jahren verschwindet die Bohne an den Vorderzähnen des Unterkiefers, im siebenten Jahre an den Mittelzähnen ebenda, im achten Jahre an den Eckzähnen. In der gleichen Reihen- und Zeitfolge kommen die Oberkieferzähne hierauf an die Reihe, sodaß sich bis zum zwölften Lebensjahre alle Bohnen abgeschliffen haben, nur noch stellenweise immer mehr verblassende braune Flecken auf der Zahnkrone sie andeuten. Nach dem dreizehnten Jahr kann man aus diesen Merkmalen nicht mehr genau das Alter eines Pferdes bestimmen, da ist dann gemeinhin der Zeitpunkt nicht mehr fern, wo es von den alternden abgenutzten entwerteten Tieren heißt: „daran ist auch nicht mehr die Bohne“!
Karl Wilke, Berlin.
Diebesopfer. Wiederholt ist in Berichten über Einbruchsdiebstähle angegeben worden, daß Diebe, bevor sie die Stätte ihrer Wirksamkeit verließen, sich ihrer Exkremente dort entledigten. Diese Besudelung des Ortes kommt so häufig vor, daß man dabei geradezu an einen „Volksbrauch“ denken muß. Auf dem Schulgrundstück Ravene Straße 12 (Berlin N) ist in den letzten 4 Wochen wiederholt gestohlen worden. An einem Abend wurde eine Türklinke abgedreht, an einem andern die Metallspitze des zum Sprengen des Hofes benutzten Gummischlauches abgeschnitten; endlich stahlen 3 Burschen, nachdem sie die Bedürfnisanstalt auf dem Hofe benutzt hatten, die dort angebrachten kleineren Leitungsröhren; 3mal sind die Diebe vom Schulhofe aus über eine niedrige Mauer in den Nachbarhof geklettert und haben dort Warenlager geplündert; zuletzt, in der Nacht vom 5.—6. Februar drangen sie in den Laden eines Schuhwarengeschäfts ein; ihren Rückweg nahmen sie mit der Beute wieder über den Schulhof. Sie hatten sich, um leichter über die Mauer klettern zu können, einen hohen viereckigen Müllkasten an dieselbe gestellt. Vor demselben und zu beiden Seiten desselben haben sie sich dann nach Verbrecher-Brauch sehr ergiebig verewigt. Otto Monke.
Für die Redaktion: Dr. Eduard Zache, Cüstriner Platz 9. — Die Einsender
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Druck von P. Stankiewicz’ Buchdruckerei, Berlin, Bernburgerstrasse 14.