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11. (8. außerordentliche) Versammlung des XVII. Vereinsjalires.
Herr E. Friedei bemerkte zu dem Vortrag des Herrn Pfarrer Giertz, soweit es sieh um die Serviten-Mönche handelt, folgendes: Der Serviten-Orden, so genaunt von der Bezeichnung Servi Mariae (Marien-Diener) mit dem Ordeuszeichen
(M. S. d. i. Servi Mariae),
erscheint wenig bekannt, weil er wenig verbreitet ist. Der llauptsitz ist das Servitenkloster mit der Servitenkirche daran an der Maria Thc- resien-Straße zu Innsbruck. Die Mönche befinden sich dort in strenger Klausur. Frauen dürfen in das Kloster nicht hinein, aucli in der Kirche nur in den abgegitterten schmalen Vorraum. Der Orden, der unter einem Ordens-General stellt, hat mehrere Niederlassungen in Tirol. Etwa 1500 m oberhalb Deutsch-Matrei bei Innsbruck befindet sich in wundervoller Ilochgebirgslage ein dem Orden gehöriges Wallfahrtskloster Sankt Maria Waldrast mit einem wundertätigen Marienbilde. Ich bin in sieben verschiedenen Jahren Gast des Servitenklosters in jenem Wallfahrtsorte gewesen und die geistlichen Herren haben u. a. mir das hölzerne Marienbild, welches aus einem Lärchenstamm hervorgewachsen sein soll, freund- lichst zur Untersuchung in die Hand gegeben: ich habe es als aus der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts stammend eingeschätzt. Da St. Maria- Waldrast als Erholungsstätte gilt, so ist dort die Klausur aufgehoben und haben dort in den Mönchszellen außer den Patres früher auch Touristen, selbst Damen, längere Zeit gewohnt. Dabei haben sich Unzuträglichkeiten herausgestellt und nunmehr werden weibliche Wesen in dem halb als Ruine dastehenden Wallfahrtskloster nicht mehr aufgenommen, sie müssen in der Klosterschänke gegenüber dem Kloster wohnen. Mit letzterem ist eine prachtvolle Kirche verbunden, in der das Gnadenbild, welches ich erwähnte, aufgestellt ist. Ich möchte gern der gastlichen und freundlichen Aufnahme seitens der Herren Patres und des Herrn Ordens-Provinzial um so mehr in Dankbarkeit gegenüber dem ehrwüi’digen Servitenorden gedenken, als ich in der herrlichen Höhenluft vor Jahren meine ernstlich bedrohte Gesundheit wiedergefunden habe. Schließlich bemerke ich noch, daß die schwarze Ordenstracht an die Augustiner Mönche, zu denen bekanntlich Dr. Martin Luther gehörte, erinnert. Die Patres und Fratres tragen sich bärtig.
Am Nachmittage wurde unter der Führung des Herrn Pastors Giertz das Innere der Stadtkirche besichtigt. Unter der einen Empore befindet sich in der Wand eingelassen der Grabstein des ersten protestantischen Predigers des Nicolas Leutinger, der hier begraben liegt,