Heft 
(1908) 17
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11. (8. außerrdoentliche) Versammlung des XVII. Vereinsjahres.

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rlio Eigentümerin, Frau Klamann, die nötige Auskunft. Bei dem Bau eines Stalles z. B. ist man auf alte Grundmauern aus Feldsteinen ge­stoßen und hat auch auf dein Hofraum unter der Erdoberfläche 32 Schädel und Skelette gefunden. Einen großen Schatz, auf den man hoffte, hat inan jedoch nicht gehoben.

Der Weg führte uns darauf zunächst über den Marktplatz, der von hohen alten Linden umgrenzt wird. Auf ihm befindet sich die Katswage, und neben den Brunnen stehen die Schlitten mit den Feuer­tonnen darauf.

Hinter dem Markt liegt der Platz mit den beiden Kirchen, der Stadtkirche und der Reformierten Kirche, beide sollten wir in ihrem Innern erst nachmittags besichtigen. Auf dem Kirchplatz steht auch das Kriegerdenkmal. Man erkennt deutlich, daß der Kirchplatz die höchste Stelle der Stadt ist. Hier stand auch bis zum Jahre 1898 eine sog. Verkehrtlinde, an die sich die Sage knüpft von einer zum Feuertode verurteilten Hexe.

An die Stadt schließt sich nach Norden die sog. Amtsfreiheit'an. Sie besteht aus einem weiten großen Platz mit einem Pfuhl in der Mitte, um den sich die Wirtschaftsgebäude der Königlichen Domäne gruppieren. Zunächst steht das Wohnhaus, ein schloßartiges Gebäude aus roten Ziegeln mit dem Park dahinter, der von einer hohen Mauer umgrenzt wird. Der Park stößt im Osten an das Bernauer Tor, durch welches wir wieder die Stadt betraten.

Hierauf wurde das Frühstück im Hotel zum Deutschen Hause ein­genommen, und nachher hielt u. M. Herr Pfarrer Giertz aus Peters­hagen einen Vortrag über das Servitenkloster. Da der Herr Redner eine ausführliche Geschichte dieses Klosters für unseren nächsten Archiv­band fertiggestellt hat, so wollen wir hier nur einige wichtige Angaben über dieses Kloster machen. Der Orden wurde am 15. August 1233 in Florenz durch Bonfiglio Monaldi und sechs Freunden aus den vor­nehmsten Geschlechtern begründet mit dem Ziel, sich dem Dienst und der Verherrlichung der Jungirau Maria zu weihen. Die Brüder nannten sich daher auch Marienknechte. In der Formel des Aufnahmegelübdes kommen Wendungen vor, die an die Ausdrucksweise Luthers im 4. Haupt- stiick seines Katechismus erinnern, deshalb ist vielleicht an eine Be­ziehung zwischen Luther und diesem Orden zu denken, besonders noch deshalb, weil er auch in Erfurt ein Kloster besaß. Das Kloster zu Alt-Landsberg wurde im Jahre 1335 gegründet und nach seiner Zer­störung durch die Husiten wieder aufgebaut. Es war nur klein und beherbergte höchstens sechs Mönche, lin Jahre 1540 wurde es auf­gehoben und sein letzter Prior, Matthias Ilese (Hesse), miteinigem Besitz aus dem Klostergut abgefunden, während der letzte Rentner, der Laien­bruder Caspar Erdmann, im Jahre 1544 in Cöln a. Spree gestorben ist.