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11. (8. außerordentliche) Versammlung des XVII. Vereinsjahres.
ebenso wie der Reichsfreiherr Otto von Schwerin, von dem nocli gesprochen werden wird.
Wir fügen hier einen inhaltreichen Aufsatz ein, der uns von interessierter Seite zugeht und sprechen dafür den Dank der Gesellschaft aus.
Die Stadtkirche zu Alt-Landsberg und ihr Alter!
Die Stadtkirche zu Alt-Landsberg ist im Anfänge des 13. Jahrhunderts erbaut, also zur Zeit, da die Stadt gegründet wurde.
Es war daher ein großer Irrtum des Verfassers der Geschichte von Alt-Landsberg, F. Gähde, wenn er den Bau der Kirche in das Jahr 1432 annahm, nachdem die alte Kirche durch die Ilussiten zerstört. Die Kirche ist damals nur ausgebrannt und nur der obere Teil mußte erneuert werden, wie es die heutige Gestalt klar erweist.
Folgendes sei zum Beweise dieser Behauptung angeführt:
Als Markgraf Albrecht der Bär um 1140 die Mark von den Wenden zurück eroberte, kamen mit ihm vorzugsweise auch seine Sachsen ins Land, also waren die ersten christlichen Bauleute Sachsen. Dort baute man aber mit dem überall erhältlichen leicht zu bearbeitenden Sandstein, welchen man zu rechtwinklige Quadern behaute. Es stand der romanische Baustyl grade in vollster Blüte. Hier in der Mark kommt der Sandstein aber nicht vor, man mußte sich mit den überall umherliegenden Feldsteinen begnügen. (Den Backsteinbau führten die niederländischen Kolonisten erst ein.) Der Granit des Feldsteins ist aber ein ganz anderes Material; zeichnet sich der Sandstein dadurch aus, daß er leicht jede gewünschte Form annimmt, so ist der Granit im Gegensatz dazu äußerst schwer zu behauen, infolge seiner Härte; warum man auch bei Verwendung desselben auf alle feineren und genaueren Kunstformen verzichtete.
Man mußte also die Ausführung der Bauten möglichst vereinfachen. Andererseits sollte die Mark auch der Kultur erst zugeführt, Besitz und Wohlhabenheit geschaffen, Städte mit zahlreicher Bevölkerung erst gegründet werden. Es fehlten also die Bedingungen vor der Hand, große herrliche Dome auszuführen. Es war daher durchaus natürlich, daß man die Kirchen in der ersten Zeit möglichst klein und einfach ausführte. Es ergab sich aus diesen Umständen folgende Grundrißform der ersten märkischen Feldsteinkirchen. (Siehe auch die von mir verfertigte Beilage.)
Langhaus, längliches Rechteck.
Chor, quadratisch meist schmaler als das Langhaus.
Altarnische, halbrund.
Turm, längliches Rechteck, so breit wie das Langhaus (auch breiter)