Heft 
(1908) 17
Seite
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11. (8, außerordentliche) Versammlung des XVII. Vereinsjahres.

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mit Satteldach, dessen First zum First des Langhauses im rechten Winkel stand.

Ein Beispiel der Form der ersten märkischen Kir­chen hat man in der Kirche zu Lindenberg b. Berlin, sie

ist noch vollständig erhalten.

Später ließ man die halbrunde Altarnische (Apsis) fort, der Chor schloß hinten grade ab mit 3 schmalen hohen Fenstern. Noch später fiel bei kleineren Kirchen auch Chor und Turm fort. Da die Feldstein­kirchen meist klein waren, so war das Langhaus auch meist einschiffig.

Eine der größten Feldsteinkirchen dieser Zeit ist die Stadtkirche zu Alt-Landsberg; daher ist sie auch dreischiffig.

I)a die sächsischen Bauleute ihre Kirchen im Quaderbau ausführten, so versuchten sie es auch hier mit dem Feldsteinmaterial, so schwer die Feldsteine auch die gewünschte Form annahmen. Daher die ältesten Kirchen hier aus sauber gefugten Granitquadern bestehen. (Kirche zu Tempelhof b. Berlin.)

Später, als die ersten Einwanderer ausstarben und eine neue Ge­neration baute, welche die sauber gefugten sächsischen Sandsteinkircheu nicht kannte, wurde der Granitquaderbau immer mehr vernachlässigt, man setzte die Steine nicht mehr so genau in wagerechte Lagen, ja noch später ließ man die Steine in ihrer natürlichen Form, schlug nur die nach außen liegende Seite glatt, damit es eine ziemlich ebene Fläche ergab.

Die Art, wie die Steine gesetzt sind, ist daher ein untrügliches Zeichen des Alters des Baues, denn man hat die Steine in späterer Zeit nie wieder so sauber gesetzt wie in der ersten Zeit.

Diesen Unterschied in der Art der Versetzung der Steine sieht man am besten an der Westfront (Turinseite) der Landsberger Kirche.

Unten regelrecht geschichtet, oben regellos durch einander gesetzt, größere Lücken mit kleinen Steinen ausgefüllt. Dieser obere Teil ist eben nach der Zerstörung durch die Hussiten im Jahre 1432 aufgebaut.

Fis ist zweifellos, daß die Kirche vor 1250 erbaut ist.

1. sagt es die saubere Versetzung der Steine im untern Teil,

2. sagt es die Grundrißform; diese entspricht der romanischen Bauweise, wie sie bis Mitte des 13. Jahrhunderts Sitte war. Es ist leider jetzt nicht mehr festzustellen, ob ursprünglich die halbrunde Altarnische vorhanden war oder nicht, da die Ostfront jetzt ganz verputzt ist. Doch ändert dieses nichts an der Tatsache des Alters, da die Altarnische

ebenso gut dagewesen sein kann wie auch nicht, weil sie bei größeren

Kirchen hier bald verschwand.