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11. (8. außerordentliche) Versammlung des XVII. Vereinsjahres.
Vor allen Dingen entspricht die Anlage des Turmes der alten Anordnung; er ist hier sogar noch breiter als das Langhaus, hatte auch früher im Aufbau die romanische Form; die jetzige Form ist ja doch späterer Aufbau, wie aus der Versetzung der Steine klar ersichtlich ist.
In gotischer Zeit, wie 1432, machte man die Türme nicht mehr so breit, meistens quadratisch, wie ja auch der obere Teil quadratisch ist. Auch befindet sich über dem Hauptportal noch eine kleine Rundbogennische, also aus romanischer Zeit, und zwar in dem Teil der Mauer, welcher noch die saubere Versetzung der Steine zeigt. Um 1432 machte man alle Öffnungen spitzbogig, zumal wo alle Tür- und Fensteröffnungen des damaligen Umbaues spitzbogig sind.
Es drängt sich nun die Frage auf, wie sah die Kirche ursprünglich aus? Die Grundrißform ist schon angedeutet!
Der Turm ging senkrecht hoch bis zum Dach in voller Breite, oben mit ein paar kleinen Rundbogenfenstern. Das Dach war ein einfaches Satteldach. Der Turm wurde damals weniger der Glocken wegen, sondern besonders der Verteidigung wegen gebaut, als letzter Zufluchtsort der Bewohner; daher so breit und wuchtig, und die nur kleinen Fensteröffnungen.
Die Portale werden sicher auch rundbogig gewesen sein, man sieht auch jetzt au der Spitze des Bogens, daß die sonst genau wagerechten Steinschichten dort aus der Lage gekommen sind. Beim Umbau der Kirche um 1432 wird man die wahrscheinlich beim Brande gelittenen Portale spitzbogig gemacht haben; vielleicht um dem neuen Stil Konzessionen zu machen und die ganze Kirche als einen gotischen Bau erscheinen zu lassen.
Das dreischiffige Langhaus und Chor hatten ursprünglich nur Holzbalkendecken, wie alle Feldsteinkircheu der ersten Zeit. Die heutigen Gewölbe sind gotische Storngewölbe, sie sind nach dem Brande eingesetzt, da damals der gotische Stil gerade in vollster Blüte stand.
Die Fenster waren frühestens klein, rundbogig und sehr schmal, wahrscheinlich in derselben Anzahl wie heute, sie wurden nach dem Brande spitzbogig, vergrössert und erweitert. Die heutigen dreiteiligen Fenster sind jüngsten Datums.
Seit der Zerstörung durch die Hussiten hat die Kirche also ihre Ilauptform behalten, und nur der Helm des Turms wurde Anfang des 18. Jahrhunderts erneuert und die Sakristei an der Südseite der Kirche sjtäter angebaut
Aus diesen Ausführungen ersieht man, dass der Verfasser der Chronik falsch unterrichtet war (seine Quelle war wohl hauptsächlich Leutinger, Prediger an der Kirche zur Zeit der Reformation). Die Versetzung der Steine an der Westfront scheint damals niemand weiter beachtet zu haben. Nennt der Verfasser doch sogar die Stadtmauer älteren