Heft 
(1908) 17
Seite
496
Einzelbild herunterladen

496

12. (9. außerordentliche) Versammlung des XVII. Vereinsjahres.

Pferdebahngeleise nach Hohenschöpping in die Dorfstraße eimnünden; hier biegen wir links ab und folgen ihnen bis zu einem großen Graben, neben dem wir, links abbiegend weiter gingen. Als dieser Graben die Chaussee nach Pinnow erreicht hatte, machten wir halt, und unser liebenswürdiger Führer schilderte uns die Landschaft in ihren Eigenheiten. Wir standen auf der Upstallbrücke und der Graben heißt die Muhre. Sie ist der große Vorflutgraben, welcher die Ilavelwiesen trocken hält, so daß sie zum Teil sogar Ackerland geworden sind. Von unserem Standpunkt aus sahen wir nach Norden und nach Süden, soweit das Auge reicht, über ein langes Wiesengelände hin, das im Osten von der Falken­hagener Forst und im Westen von den niedrigen Abhängen des Länd- chens der Glin begrenzt wird. Im Norden bildet der Kirchturm von Quaden - Germendorf eine deutliche Grenze, während im Süden die Grenze sich mit dem Horizont deckt. Von der Chaussee führt eine Promenade in die Falkenhagener Forst. Hier hat der Verschönerungs­verein Promenadenwege angelegt und anmutige Plätze geschaffen, die bei allerlei Festen im Freien verwandt werden können. Es ist ein herrlicher Forst aus dichtem Laubwald.

Der Einbruch der Dämmerung zwang uns nach unserem Gasthaus zurückzukehren, und die Nebel lagerten schon auf den Wiesen als wir ungefähr denselben Weg zuriickwanderten. In unserem Gasthause wurde schnell das Abendbrot eingenommen und darauf hielt Herr Rektor Rade­macher einen Lichtbildervortrag überden Werdegang in der Veltener Ofenindustrie. Wir konnten von den Plätzen aus noch einmal unsere heutige Wanderung im Bilde vornehmen, wozu noch einige neue Bilder kamen. Das erste Bild zeigte uns eine Karte der Umgegend von Velten mit den Tongruben, darauf erschien der Äscherofen, in dem das Oxydieren von Zinn und Blei geschieht; weiter sahen wir das Mischen des Versatzes, wobei die Arbeiter ganz verhüllt sind, die Herstellung der Glasur, das Gipsformen, einige Simse und die Fabrikation der Kacheln auf der Rumpfpresse und der Kachelpresse, dem sog. eisernen Gesellen. Wir blickten in die Trockenstuben und in den Ofen mit seiner Holzfeuerung und sahen vor uns das ungeheure Holzlager von Hohenschöpping sowie das Ausladen der Hölzer in Schwalbengrund. Ein Bild zeigte das Simslager und das Kachellager, ein zweites das Schleifen der einmal gebrannten Kacheln sowie ihr Glasieren und das nächste das Füllen eines Ofens. Wir beobachteten das Brennen der Kacheln und sahen einen Arbeiter in einer Badewanne, denn die Arbeit des Mischens ist sehr schädlich, weil der Bleistaub giftig ist, so daß eine gründliche Reinigung trotz der Vermummung bei der Aibeit un­umgänglich nötig ist. Die nächsten Bilder führten uns die Bearbeitung des Tones von der Tongrube durch den Tonschlemmer mit den vier Harken zu den Tonkästen bis zu dem Tonkeller und dem Tonschneider