12. ( 9 . außerordentliche) Versammlung des XVII, Vereinsjahres. 495
von uns in den Straßen Berlins aufgefallen sind. Der Seltener Ton wird zuerst 1656 erwähnt, als er zn den Kurfürstlichen Bauten in Oranienburg verwandt wurde. Später bezogen die dortigen Scheiben- und Ofentöpfer ihren Bedarf von hier. Erst im Jahre 1828 richtete Andreas Seydlitz eine eigene Scheibentöpferei in Velten ein und gründete am 7, Juli 1835 die erste Ofenfabrik. Im Jahre 1848 wurde die zweite 1858, die dritte und vierte gebaut. In der Zeit von 1870—1880 (Gründerzeit) entstanden 16, in dem nächsten Jahrzehnt fünf und in dem Zeitraum zwischen 1890 bis 1900 drei Fabriken. Und seit 1900 ist noch eine Fabrik hinzugekommen. Im ganzen hat Velten 32 Ofenfabriken und 8000 Einwohner’. Durch seine Industrie vor den Toren Berlins ist Velten zu der Größe einer Stadt herangewachsen, was es auch durch sein Aussehen bestätigt, wie gepflasterte Straßen und elektrische Beleuchtung. Velten hat in diesem Sommer Vorortverkehr erhalten, und der Großschiffahrtsweg Berlin— Stettin, der an Hohenschöpping und Schwalbengrund vorbeiführt, wird Velten ebenfalls fördern.
Wenden wir uns nun dem Museum selbst zu. Es umfaßt sechs •Hauptabteilungen und ist in elf Räumen untergebracht. Die schönsten Ausstellungsobjekte sind wohl die drei Prunköfen, darunter ein weißer mit hohen Säulen und ein zweiter in reichem Rokokoschmuck. Dann folgen die Kacheln aller Größen mit ihren Bildschmuck z. B. Landschaften, Stilleben, etc., die ganze Wände bedecken. Das neueste Produkt der Veltener Ofenfabrik auf diesem Gebiet sind die Kacheln mit Spritzmalerei. Neben den Kacheln sind Ornamente aller Art aus Ton zu verzeichnen, wie Figuren, Gläser, Vasen, Majolikas, Terrakotten, Bronzen etc. Auffällt eine Büste aus Ton, die Kopie LodovicoslH. von Mantua aus dem Kaiser Friedrich Museum. In einem Raume befindet sich die Sammlung von Rohstoffen, wie die verschiedenen Tonarten, die Schmelze und Glasurstoffe, Farben und Chemikalen. Weiterhin sind die Modelle, bezw. alle Maschinen ausgestellt, die zur Ofenfabrikation gehörten oder noch gehören. Beachtenswert ist hier das Modell einer Tongrube mit allen Einrichtungen. Es findet sich auch eine Sammlung von Objekten, die in den Tongruben gefunden sind, wie Naturobjekte, z. B. Bernstein oder menschliche Erzeugnisse der Vorzeit, wie Steinbeile u. ä. Mehrere Zimmer beherbergen Bücher, Zeitschriften, Musterbücher, Albums, etc. Wahrlich Velten kann auf sein Museum stolz sein und auf den energischen Verwalter desselben.
Nach der Besichtigung des Museums wurde der Kaffee im Gasthause von Tübbicke eingenommen. Die Zeit war kurz bemessen, denn es sollte sich noch vor Dunkelwerden ein Gang durch den Veltener Wald anschließen. Plierbei übernahm wieder Herr Kantor Gericke, aber diesmal als Vorsitzender des Verschönerungsvereins die Führung. Durch die Breitestraße ging es an der Kirche vorbei bis zu der Stelle, wo die