494
12. (9. außerordentliche) Versammlung des XVII. Vereinsjahres.
Der Trockenraum liegt in demselben Stockwerk wie die Formerei und zwar in der Decke des Gebäudes, er ist so angelegt, daß er die Wärme von den Brennöfen erhält.
Die Brennöfen befinden sich zu ebener Erde. Die Kacheln werden zweimal gebrannt, man spricht von Yerschriihbrand und Glattbrand. Nach dem ersten Brennen werden nämlich die Kacheln auf ihrer Oberfläche abgeschliffen und mit der Glasurmasse überzogen. Die Kachelglasur wird besonders sorgfältig hergestellt. Die Metalle Zinn und Blei werden in den sog. Äscherofen unter lebhafter Luftzufuhr längere Zeit erhitzt, bis sie sich vollständig oxydiert haben. Bleioxyd und Zinnoxyd werden hierauf mit Sand, Kochsalz und Salpeter gemischt und in einem Schmelzofen geschmolzen. Ist der Glasursatz erkaltet, so lässt er sich leicht zerschlagen und auf Mühlen bis zum feinsten Pulver zerkleinern.
Aus der Glasur bereitet man einen Brei, der gleichmäßig über die Oberfläche verteilt wird.
Der sog. Glattbrand dauert 28—30 Stunden. Den Verlauf des Brandes kontrolliert man mit Hülfe von kleinen Kegeln aus Glasunnasse, diese schmelzen in der Ofenhitze und zerfließen, und an der Länge der Zunge erkennt man die fortschreitende Hitze.
Den Schluß der Besichtigung bildete ein Blick in den Lagerraum mit den fertigen Öfen; leider befindet sich hier kein zusammengestellter, so daß man doch keinen rechten Eindruck erhalten kann. Man stellt die Öfen nicht zusammen, weil die Fabrik nicht mit dem zukünftigen Eigentümer des Ofens verhandelt, sondern mit dem Töpfermeister.
Eine eingehende Beschreibung dieses selben Ofens nebst der Behandlung des Tones aus der Feder u. M. Herrn Dr. Fiebelkorn findet der Leser im Monatsblatt, Jahrg. XV. S. 373.
Von dem Ofen wanderte die Gesellschaft durch mehrere Straßen zum Gebäude der Knabenschule, in dessen oberstem Stockwerk das Veltener Ortsmuseum aufgestellt ist. Auch hier mußten natürlich wieder zwei Gruppen gebildet werden, die von Herrn Kantor Gericke und Herrn Rektor Haselberger geführt wurden.
Herr Kantor Gericke ist der Schöpfer und Verwalter dieses interessanten Museums. Es wurde am 7. Juli 1905 anläßlich des Veltener 70jährigen Industrie-Jubiläums begründet mit dem Zweck, aus der Vergangenheit und Gegenwart eine Sammelstelle für die anschauliche Belehrung über Veltens Emporblühen kommenden Geschlechtern zu sichern. Herr Kantor Gericke hat sich auch weiterhin um Velten durch seine schriftstellerische Tätigkeit verdient gemacht; er hat im Jahre 1894 veröffentlicht „Der Industrieort Velten“ und im Jahre 1908 eine Publikation unter dem Titel „Velten“. Es sei daher erlaubt hier einiges über die Entwicklung der Tonindustrie vor den Toren Berlins zu sagen, besonders auch deshalb, weil die schweren Wagen wohl schon jedem