500
13. (10. außerordentliche) Versammlung des XVII. Vereinsjahres.
das durch zwei seitliche Lampen mit Scheinwerfern besonders beleuchtet werden kann. Vor der Kirche steht auf einem Rasenplatz eine prächtige Eiche, die ihre Aste nach allen Seiten völlig gleichmäßig entwickelt hat, so daß die untersten mit ihren Spitzen fast den Boden berühren.
Hierauf geleitete uns unser Führer durch die Krippe und das Kinderheim; hier waren die Kleinsten z. T. in ihren Bettchen zu finden, z. T. aber waren sie schon beschäftigt unter sachkundiger Führung einen Ringelrein aufzuführen.
Danach machten wir einen Abstecher durch umfangreiche Baumschulen mit jungen Stämmen und Sträucliern, die für die Neuanlage herangezogeu werden, nach den landwirtschaftlichen Gebäuden. Früher wurden auf dem schon abgesonderten Gelände Getreide und Hackfrüchte gebaut. Jetzt ist die große Scheune leer und in den Ställen trifft man neben zwei Pferden noch eine Gesellschaft von halbwüchsigen Schweinen.
Unser Weg führte uns weiter zu dem Schulgebäude; es liegt unweit des Pförtnerhauses, dicht neben der Straße mit der Front auf das Wasser. Im Erdgeschoß befinden sicli die Räume für den Unterricht der Brüder; im ersten Stock die Räume für die Elementarschule und darüber die für das Pädagogium. Die Brüderanstalt des Johannisstiftes nimmt unbescholtene junge Leute evangelischer Konfession im Alter von 19 bis 30 Jahren aus den verschiedensten Ständen unentgeltlich auf, aber nur solche mit ordentlich erlernten Lebensberufen, und bildet sie für die mannigfachen Arbeiten der Inneren-Mission vor. Die Brüder erhalten wöchentlich 30 Stunden Unterricht und sind in der übrigen Zeit Helfer in der Kindererziehung. Nach mehrjährigem theoretischen und praktischen Kursus werden sie auf Grund ordentlicher Berufungen als Vorsteher oder Lehrer in Rettungshäusern, als Hausväter in Herbergen zur Heimat, als Stadtmissionare, Gemeinde-Diakonen etc. entsandt.
Das nächste Gebäude führt den Titel Haupthaus und ist im Jahre 1865 erbaut worden. Es enthält die Küche mit den blanken Nickelkesseln, in denen für die gesamte Anstalt mit Ausnahme der Krippe gekocht wird- Es beherbergt ferner den Speisesaal für das Pädagogium, der früher Kapelle war, und das Mädchenheim für die konfirmierten Mädchen. Auf dem Flur sind in einen Schrank hübsche Schnitzarbeiten der Mädchen ausgestellt.
In dem benachbarten Hause befindet sich die Waschküche nebst Plättstube und die Haushaltungsschule. Das letzte Haus, an dem wir aber nur vorübergingen, heißt die Düppelschanze und ist 1865 erbaut worden. Es enthält eingemauerte dänische Kanonenkugeln in seinen Wänden und zwei Reliefs, eines die Brüder in der Krankenpflege tätig und ein zweites das Wappen der Anstalt, den Adler mit der Feder.