Heft 
(1908) 17
Seite
499
Einzelbild herunterladen

13. (10. außerordentliche) Versammlung des XVII. Vereinsjahres.

499

150 Kinder (Knaben und Mädchen), ein Pädagogium mit der Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst für ca. 90 Schüler, eine land­wirtschaftliche bezw. gärtnerische Abteilung, ein Mädchenheim für 20 konfirmierte Mädchen, ein Kinderheim für 30 Kinder von 26 Jahren und eine Krippe für 20 Kinder unter 2 Jahren. Das Grundstück war ehemals 100 Morgen groß; ein Teil desselben ist aber gegenwärtig schon abgezweigt und der Rest, 30 Morgen, ist mit einem hohen Bretterzaum umfriedet worden. Durch diese Abzweigung sind auch die großen Beamtenwobnhäuser in der Beusselstraße isoliert worden, so daß die Beamten täglich einen großen Umweg machen müssen. Das neue Grundstück ist am 22. Januar 1907 Eigentum des Stiftes geworden und ist 302 Morgen groß und liegt in der Spandauer Stadtforst und zwar fünf Minuten nördlich von der Oberförsterei auf der östlichen Seite der Schönwalder Chaussee. Es hat 2 Millionen Mark gekostet. Weil die Verhandlungen mit der Stadt Berlin sich schon seit Jahren hinziehen, ist an den Baulichkeiten des Stiftes nur noch das Notwendigste getan und jeder Neubau vermieden worden, woher es kommt, daß einige von ihnen sich nicht mehr so vorteilhaft präsentieren. Unter den Stiftsein­richtungen ist die wichtigste das erprobte Wichernsche Familienprinzip, d. h. der Grundtypus der Knabenhäuser ist der, daß im Erdgeschoß sich eine Familienwohnung befindet uud zwar im Pädagogium für einen verheirateten Pastor und in der Volksschulabteilung für einen verheira­teten Elementarlehrer. Darüber sind in zwei Etagen je eine Knaben­familie von 12 bis 14 Jungen mit je zwei Hausbrüdern, wozu im Päda­gogium noch je ein Kandidat der Theologie kommt, untergebracht..

Nach diesem Vortrage traten wir, in mehrere Gruppen eingeteilt, die Wanderung an: Hohe Bäume fassen die Wege einj und Beete mit Gartenpflanzen und Obststräuchern und -bäumen breiten sich rechts und links neben den Wegen aus, so daß die einzelnen Häuser und Häuschen, ca. 30 an Zahl, recht idyllisch im Grünen liegen. Vor der Festhalle liegt zunächst ein umfangreicher schattiger Festplatz, der bei dem großen Jahresfeste schon 3000 Menschen umfaßt hat. Wir betraten als erstes ein Häuschen, Johannishülfe genannt, das zwei Knabenfamilien der Volksschulabteilung umfaßt und besichtigten hier den Schlafsaal für die 6 bis 7jährigen Jungen. Dann besuchten wir ein Hans des Päda­gogiums mit der Pastorwohnung im Erdgeschoß und den beiden Kna­benfamilien in den darüber gelegenen Stockwerken. Wir besahen uns hier die Arbeitszimmer mit ihren Tischen und Schränken und den Schlafsaal, aus dessen Fenster man einen herrlichen Blick über die Bäume des Grundstücks hat. Der Mittelpunkt des ganzen Grundstückes ist die Kirche aus roten Ziegelsteinen mit einem hohen spitzen Turm. Die Kirche hat Raum für 600 Personen, und die Anstalt bildet ihre eigene Gemeinde. Über dem Altar hängt ein Bild unseres Heilandes,