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13. (10. außerordentliche) Versammlung des XVII. Vereinsjahres.
Stettin ausgedehnte Hafenanlagen schaffen wolle. Der Plan für den Großschififahrtsweg Berlin — Stettin sieht bei Plötzensee die Anlage des neuen Westhafens vor, den die Stadt Berlin herzustellen hat. Die Arbeiten sind schon in Angriff genommen. Der Hafen, der den Schluß des Großschiffahrtsweges auf Berliner Seite bildet, ist für die Reichshauptstadt von größter Bedeutung, weil er den Güterverkehr zwischen Stettin und Berlin vermitteln wird. Für die Industrie in den östlichen und nördlichen Vororten kommt er allerdings nicht in Betracht, da für diese die Gemeinde Tegel einen besonderen Hafen im Anschluß an die Industriebahn Tegel—Friedrichsfelde gemeinsam mit dem Kreise Niederbarnim herstellt. Der Berliner Westhafen umfaßt 37 Hektar und erhält zwei große Becken, ein nördliches mit 650, ein südliches mit 400 Meter Länge und je 55 Meter Breite. An Kais sollen 2750 Meter geschaffen werden, so daß zur gleichen Zeit 77 Kanalschiffe oder 123 Finow-Kähne laden und löschen können. Die Stadt Berlin wendet für diesen Hafenbau 28 Millionen Mark auf. Bei diesen hohen Aufwendungen, welche die Stadt Berlin nicht nur in ihrem, sondern im Interesse der ganzen deutschen Industrie macht, ist es verständlich, daß Berlin in bezug auf Eingemeindung des Geländes am Spandauer Schiffahrtskanal, östlich bis zum Tegeler See, einschließlich des Tegeler Sees und der Inseln mit dem nördlichem Ufergelände, von der Regierung Entgegenkommen erwartet. Vorläufig wird die Stadt Berlin allerdings mit dem kleineren Einverleibungsprojekt zufrieden sein müssen, welches nur das Gelände des Johannesstifts und der angrenzenden Teile bis zum Spandauer Schiffahrtskanal bezw. Verbindungskanal und das nördlich sowie nordwestlich belegene Gelände der Jungfernhaide zwischen der sogenannten Ilinckeldeybrücke und einer nordöstlichen, bis zu den Leutnantsbergen reichenden Linie umfaßt. Im ganzen hat Berlin hiernach den Antrag auf Einverleibung einer Fläche von 275 Hektar zur Zeit gestellt. Die überaus verwickelten diesbezüglichen Verhandlungen, welche viele Jahre gedauert, nahen ihrem Ende und vielleicht wird der Einverleibungsbeschluß bezüglich dieser 275 Hektar noch im Laufe des Kalenderjahres 1908 erlassen werden.
Die Hafenprojekte wurden von dem Vorsitzenden an der Hand ausliegender Pläne ausführlich dargelegt. Vergl. den beigegebenen Uebersichtsplan.
Hierauf lud Herr Pastor Philipps die Damen und Herren ein an 4 den Tischen sich niederzulassen und den Kaffee einzunehmen. Während dieser Beschäftigung gab Herr Pastor Philipps eine Uebersicht über die Geschichte der Anstalt, ihre innere Einrichtung und ihre Arbeit. Das evangelische Johannesstift ist im Jahre 1858 durch D. Wienern gegründet worden und umfaßte eine Bruderbildungsanstalt für ca.SOBrüder, eine Erziehungsanstalt mit einer sechsklassigen Volksschule, enthaltend