Kleine Mitteilungen.
501
Auf unserer Wanderung hatten wir überall die Schulzimmer, Schlafsäle und Arbeitszimmer leer gefunden, ihre Bewohner waren draußen mit Spielen beschäftigt. Jedes Haus hat seinen eigenen Spielplatz mit Turngeräten, und jedes Kind hat auch sein Beet, das es bearbeiten und pflegen kann. Überall sah man fröhliche Gruppen und überall, wo wir vorüberkamen, wurden wir artig begrüßt. Und wenn unser Führer einmal einen der Jungen heranrief wegen einer Frage oder eines Auftrages, so sah man ihm die Freude und den Eifer an.
Nachdem der Rundgang beendet war, fanden sich alle Beteiligten noch einmal zum Abschied in dem Festsaal ein, und Herr Geheimrat Friedei sprach den Herren und Damen, welche die Führung übernommen hatten, den Dank der Gesellschaft aus.
Kleine Mitteilungen.
Hungerbrot. Das letzte Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts war für die Gewinnung des Getreides höchst ungünstig; nasse Sommer verdarben es, und die Kornpreise stiegen bedeutend. Wenn auch in der Mark keine Hungersnot im eigentlichen Sinne herrschte, so war doch in vielen Bauer- und Bürgerhäusern, wie man sich ausdrückte, „Schmalhans Küchenmeister.“ Männer, denen die Volkswohlfahrt am Herzen lag, beschäftigten sich eingehend mit der Frage.- „Wie schaffen wir geeigneten Brotersatz?- 1 Zu diesen gehörte auch der Amtsra t Jlubert.in Zossen, der mit dem dortigen Inspektor Bauer eine Industrieschule zum Wolde der Armen begründete. Hubert hat mit Rücksicht auf die Teurung ein Brotrezept aufgestellt, nach welchem in verschiedenen Gegenden der Mark, z. B. in der Priegnitz und in der Grafschaft Ruppin, Brot gebacken worden ist, das den Namen „H ungerb rot“ führte.^. Das Rezept lautete:*)
„Methode des Herrn Amtsrats Hubert in Zossen, um mit Ersparnis des Roggens ein wohlschmeckendes Brot zu backen. Man nimmt 1 Schffl. Weizen,
1 Schffl Kog-gen, 2 Schffl. Hafer, 2 Schffl. Gerste und 2 Schffl. Kartoffeln. Weizen, Roggen, Hafer und Gerste werden recht gut untereinander gemengt, gemeinschaftlich gemahlen, und wenn sie gemahlen sind, so wird das grobe und feine Mehl ebenfalls recht gut untereinander gemengt. Die Kartoffeln teilt man in zwei Hälften. Die eine Hälfte kocht man entweder in Wasser oder in Dämpfen, sodann schält man sie und reibt sie zu einem möglichst feinen Mehl oder Brei. Dieses Mehl wird Abend eingeteigt und gehörig gesäuert. Die andere Hälfte der Kartoffeln wird roh geschält, zerrieben und sodann in einem Sacke ausgepreßt und stark ausgewunden. Diese ausgepreßte Masse wird, wenn der Teig die Nacht über gegoren hat, des
*) Das Rezept findet sich gedruckt in dem 41 . Band der Schlesischen Provinzial Blätter, S. 573 u. 574, Breslau 1805.