Heft 
(1908) 17
Seite
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Kleine Mitteilungen.

Morgens mit dem gehörigen Salz zu diesem Teige zugeknetet, und hierauf werden die Brote geformt. Man muß aber die Brote nicht zu groß machen; auch müssen sie, nachdem sie geformt sind, an einer warmen Stelle unweit des Ofens noch einmal aufgehen. Sodann werden sie in einen gewöhnlichen Backofen geschoben, der nicht stärker geheizt werden darf, als er sonst geheizt zu werden pflegt. In zwei Stunden sind die Brote ausgebacken. Einen bessern Geschmack und ein besseres Aussehen kann man ihnen dadurch geben, daß man den oberen Teil derselben vor dem Einschieben in den Ofen mit einem braunen Biere vermittelst eines Pinsels bestreicht und Garbe oder Kümmel darauf streut. Bei solchem Brote kann man an dem Scheffel ungefähr 25 Sgr. profitieren.

Wenn der Amtsrat Hubert versichert,daß das Gesinde dies Brot lieber esse als das aus reinem Koggen hergestellte gewöhnliche Gesindebrot, so ist das mit Vorbehalt aufzunehmen. Nicht jedem Gesinde scheint es gemundet zu haben. Es mochte auch daher kommen, daß man nicht genau nach dem Rezept verfuhr, sondern den Weizen fehlen ließ und den Zusatz an Kartoffeln erhöhte. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts wurde in dem Dorfe ^ Lögow b_di Wildberg ein Prozeß geführt, der die zu reichliche und zu lange ? Darbietung des Hungerbrots zum Ausgangspunkte hatte, der aber schließlich

gütlich beigelegt wurde. Die Frau des Bauern R., der zu den

sogenanntenKranken, das ist zu den verschuldeten gehörte, glaubte, erfolgreich zu sparen, wenn sie auch in besseren Zeiten für Knechte, Mägde / und Hütejungen (Kuhrnjung, d. i. der Knabe, der die Kühe hütete) dies / wohlfeilere Brot herstelle" Darauf wurde von unbekannter Hand ein nichts­nutziger Vers an das Hoftor (Dorvveg) geschrieben:

Da gibts gar oft kein Mittagbrot,

Zum Frühstück gibt es auch nicht viel.

Und abends gibts was mit dem Besenstiel.

Wir essen gar noch Hungerbrot,

Das ist für Knechte und'Mädchen gut.

Von Speck und Wuist ist keine Red

Und Schmalz und Käs gibts auf der Stelle.)

In Rosendorf bei Lenzen war ebenfalls ein Spottgedicht im Umlauf das die Speiseverhältnisse in einem Hause, das von Elbschiffern bewohnt und Buckhörn (Bockhorn) genannt wurde, schildert:

Bi R.is de Hungersnot.

Da gefft goat offt keen Merragbrot. Tum Frühstück gefft datt ook nich vyL Un Oawends gefft watt mitn Besenstül.

Wie eten goa noch Hungerbrot.

Dat is för Knech ts un Dirns goa goat . Von Speck un Wost is keene Red.

Un Schmolt un Kes gefft upp de Stcjfl.

(Bei R.ist die Hungersnot,